Annotationsreport Anakoluth (LE)

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Anakoluth

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FEsAnzahl annotierter FEs
AUFTRETENSORT7
FREQUENZ6
FUNKTION7
LÄNGE1
REALISIERUNGSART11
ÄUSSERUNG10

Abbruch kann aus der Definition von Anakoluth abgeleitet werden. „Abbruch“ ist ein deverbales Nomen: „Jemand bricht etwas ab.“ Aufgrund der Fachsprachenebene wird die abbrechende Person (FE SPRECHER) allerdings in den Belegstellen selten realisiert.

Kurzdefinition: Anakoluth ist ein Phänomen der gesprochenen Sprache, mit dem ein bewusster Abbruch einer Konstruktion mit Neuansatz (Konstruktionswechsel) und ohne Neuansatz (Konstruktionsabbruch) beschrieben wird.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
"Trotz der tatsächlichen Schwierigkeiten der Abgrenzung der Ellipse gegenüber syntaktisch vollständigen Einheiten (Sätzen) auf der einen Seite und [korrekturbedürftigen]Realisierungsart Anakoluthen auf der anderen Seite wird im Kernbereich (…) mit ihm eine Erscheinung bezeichnet, über die man sich augenblicklich und problemlos verständigen kann. Rath 2001: 1223
Bilden nicht die obigen simultanen Sequenzen (mit dem [kurzen]Länge [alleingesprochenen]Realisierungsart Anakoluth [in der Mitte]Auftretensort) einen einzigen Gesprächsschritt. Rath 2001: 1216
Der immer wieder zu beobachtende Gebrauch von Pseudocleft-Konstruktionen mit folgendem syntaktisch nicht-integrierten Hauptsatz zeugt davon, dass es sich hierbei nicht etwa um [vereinzelte]Frequenz Anakoluthe oder Konstruktionsabbrüche handelt (…). Günthner 2006: 76
Dennoch bleiben nicht [alle]Frequenz Anakoluthe [mit gleichbleibender Tonhöhe]Äusserung oder [mit Abbrüchen mitten im Wort]Äusserung hängen. Selting 1997: 127
In (109–112) kommt es zu [mehreren]Frequenz Anakoluthen und Einschüben. Rybszleger 2009: 152
Bei den [meisten]FrequenzAnakoluthen handelt es sich um Fälle von Selbstreparaturen (Abbruch und Wiederholung; Abbruch und Korrektur/Neuanfang; Abbruch, Parenthese/Korrektur – teilwiederholende – Fortsetzung; (…). Papantoniou 2012: 64
Aus diesem Grund sind Anakoluthe, [die als Reparaturen dienen]Funktion, formal leicht von anderen Anakoluthen abzugrenzen: (…). Imo 2011: 287
Diese Fortführung von Äußerungen ist der Grund, weshalb sich [Reparatur]Funktion-Anakoluthe deutlich von Aposiopesen unterscheiden:(…). Imo 2011: 289
(…) dann werden [kontrastierend eindeutige]Realisierungsart Anakoluthe behandelt (…) und zuletzt sollen "Zweifelsfälle" zwischen Anakoluthen und Aposiopesen diskutiert werden (…). Imo 2011: 277
(…) in der Gesprochenen Sprache kommen auch Anakoluthe [in zahlreichen Fällen]Auftretensort vor, ohne daß die syntaktischen Strukturen, die sie hinterlassen, deswegen schon umgangssprachlichen Grammatikalitätsnormen entsprächen. Auer 1991: 147
Dies könnte als Hinweis darauf gewertet werden, daß sie — etwa im Gegensatz zu den häufig [korrigierten]Realisierungsart Anakoluthen — nicht als ungrammatisch eingestuft werden. Auer 1991: 147
Diese Differenzen, die sich aus dem Eigencharakter des Mündlichen ergeben und die Spezifika der gesprochenen Sprache betreffen, werden dann aber zunächst nicht mit gegenstandsangemessenen Kategorien belegt, sondern als Abweichungen von den in der geschriebenen Sprache vorgefundenen Verhältnissen beschrieben und kategorial gefasst: z. B. Elision, Verschleifung, Ellipse, größere Häufigkeit von Anakoluthen [in der gesprochenen Sprache]Auftretensort etc.. Fiehler 2007: 467
C produziert ein [Abbruch]Funktion-anakoluth. Rath 2001: 1216
Weil wir die von Havers erwähnten lateinischen und griechischen Sätze, in denen s. E. „isoliert-emphatische" Nominative begegnen, geprüft haben und zu der Überzeugung gelangt sind, daß in den meisten Fällen ein [durch Kontamination zweier syntaktischer Konstruktionen bzw. Perseveration hervorgerufenes]Realisierungsart Anakoluth vorliegen muß, umreißen und erklären wir hier zuerst im (freien) Anschluß an Lagas11 den Begriff bzw. die Erscheinung „Perseveration" Boon 1981: 274
Die Entwicklung dieser Idee folgt in [mehreren im Text verwendeten]Auftretensort Anakoluthen, was als ein Zeichen der Improvisation und der Spontaneität vorkommt. PiŠl, 2010: 61
Der Ansatz, der hier versucht wird, besteht in der Beobachtung, daß im Mhd. gewisse Topikalisierungsprozeduren gut belegt sind, welche insich selbst gewisse Tendenzen zur Bildung [grammatischer (nicht unbedingt pragmatischer)]Realisierungsart Anakoluthe enthalten und gleichzeitig eine starke Nähe sowohl zu konditionalen Nebensätzen wie zu Relativsätzen aufweisen. Lötscher 1992: 172
Dass es sich bei den Konstruktionswechseln um fokussierende Aposiopesen und nicht um [defokussierende]Funktion Anakoluthe handelt, zeigt sich amstärksten bei den Satzkorrekturen mit Indikator. ¨”BILD wünscht Ihnen eine ¨ schöne Jauch–, ¨ ah, Fernseh–Woche". Betz 2004: 163
So werden Besonderheiten der GSPS zwangsläufig immer als Abweichungen von den in der GSCHS Vorgefundenen Verhältnissen beschrieben: z.B. Elision, Verschleifung, Ellipse, größere Häufigkeit von Anakoluthen [in der GSPS]Auftretensort, geringerer Gebrauch des Konjunktivs etc. Fiehler 1994: 176
Ein Beispiel für einen [Mehrfach]Frequenz-anakoluth, [bei dem die syntaktische Konstruktion im Verbalisierungsprozess sogar wiederholt eine Änderung erfährt]Realisierungsart, wäre Satz (16). Plewnia 2006: 125
Man findet deshalb mehr Anakoluth [in einer textarmen als in einer textreichen Anzeige]Auftretensort. Lapasau 2005: 138
Im Ergebnis bleibt dann ein Anakoluth [aus den Überresten von Teil A]Äusserung, eine ehemalige ‘Parenthese’ (Teil B), die in der Folge syntaktisch integriert wird und Teil des folgenden Satzes (Teil C) wird. Stoltenburg 2003: 14
(…) Fast jedes Beispiel mit [dativischem]Realisierungsart Anakoluth [bei genitivischem Bezugswort]Äusserung kann auf einen syntaktischen Konstruktionswechsel zurückgeführt werden, (…). Gippert, 1981, S. 43
Es läßt sich wahrscheinlich machen, daß sie ursprünglich – wie auch entsprechende Anakoluthe [in koordinierten Satzgliedreihen]Auftretensort – als Kontaminationserscheinung auf dem konkurrenten, äquivalenten Verhältnis dativischer und genitivischer Konstruktionen (vor allem adnominaler Genitiv und von + Dativ) sowie präpositionaler Ausdrücke mit Dativ und Akkusativ beruht. Gippert 1981: 58f.
(…) dies führt, vor allem wenn zusätzliche begünstigende Faktoren vorhanden sind (…), zu Kontaminationserscheinungen: [dativische]Realisierungsart Anakoluthe [bei genitivischem Bezugsglied]Äusserung, aber auch [genitivische]Realisierungsart Anakoluthe [bei Bezugswörtern im Dativ (nach von)]Äusserung. Gippert 1981: 54
Beispielsweise stellten sich die Fragen, ob „gut“ und „richtig“ im Unterrichtsgespräch Antwortpartikeln des Lehrers oder eher elliptische Adjektive sind und ob „hoch“ in „Hand hoch“ eher als ein Anakoluth [von „hochheben“]Äusserung, also als Verbzusatzpartikel oder als Adverb getaggt werden sollte. Westpfahl/ Schmidt 2013: 142
So erwies sich die Unterscheidung zwischen attribuierend oder substituierend, die in der Spontansprache durch [häufig auftretende]Frequenz Anakoluthe zur Interpretationssache des Hörers wird, als weitere Herausforderung bei der Korrektur des Taggings. Westpfahl / Schmidt 2013: 142
Einen wichtigen Spezialtyp fragmentarischer Äußerungen bilden die [durch Satzabbruch zustande kommenden]Realisierungsart Anakoluthe. Kindt 2013: 53
In (12) stuft Rath den Äußerungsbeginn Und die Frau hat bestimmte zu Recht als einen [satzabbrechenden]Funktion Anakoluth ein. Kindt 2013: 53
Das schließt nicht aus, dass ein Kommunikationsteilnehmer bei einem [satzabbrechenden]Funktion Anakoluth [A]Äusserung inferieren kann, wie A ursprünglich vom Produzenten fortgesetzt werden sollte (…). Kindt 2013: 54
[Satzabbrechende]Funktion Anakoluthe unterscheiden sich dadurch von erfolgreichen satzinternen Reparaturen, dass bei ihnen kein Reparaturversuch unternommen und deshalb kein Satz gebildet wird (…). Kindt 2013: 55
Dennoch bleiben nicht alle Anakoluthe [mit gleichbleibender Tonhöhe]Äusserung oder [mit Abbrüchen mitten im Wort]Äusserung hängen. Selting 1997: 127