Annotationsreport Präsequenz: Unterschied zwischen den Versionen

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|Doch nicht nur bei so genannten "big packages" (Sacks 1967-72/96:222ff.) liefern SprecherInnen ['''Prä''']<sub>Position</sub>['''sequenzen''']<sub>Erweiternde_Sequenz</sub> bzw. Rahmungshinweise, auch kleinformatigen kommunikativen Mustern bzw. Aktivitätstypen (wie Einladungen, Vorwürfe etc.) werden gelegentlich ['''Prä''']<sub>Position</sub>['''sequenzen''']<sub>Erweiternde_Sequenz</sub> ([wie "hast du heute Abend schon was vor?"]<sub>Beispiel</sub> als ['''Prä''']<sub>Position</sub>['''sequenz''']<sub>Erweiternde_Sequenz</sub> [für eine folgende Einladung]<sub>Erweiterte_Sequenz</sub>) vorgeschaltet.
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|Doch nicht nur bei so genannten "big packages" (Sacks 1967-72/96:222ff.) liefern SprecherInnen ['''Prä''']<sub>Position</sub>['''sequenzen''']<sub>Erweiternde_Sequenz</sub> bzw. Rahmungshinweise, auch kleinformatigen kommunikativen Mustern bzw. Aktivitätstypen (wie Einladungen, Vorwürfe etc.) werden gelegentlich ['''Prä''']<sub>Position</sub>['''sequenzen''']<sub>Erweiternde_Sequenz</sub> ([wie "hast du heute Abend schon was vor?"]<sub>Inhalt</sub> als ['''Prä''']<sub>Position</sub>['''sequenz''']<sub>Erweiternde_Sequenz</sub> [für eine folgende Einladung]<sub>Erweiterte_Sequenz</sub>) vorgeschaltet.
 
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Aktuelle Version vom 20. Januar 2020, 19:25 Uhr

Sequenzerweiterung

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FEsAnzahl annotierter FEs
AUFTRETENSORT2
EFFEKT1
ERWEITERNDE_SEQUENZ27
ERWEITERTE_SEQUENZ2
INHALT13
POSITION27
ZWECK3

Ein um ein Präfix erweitertes Nomen mit ‚-sequenz’ als bedeutungstragenden Kopf, welcher vor dem Hintergrund des Sequenzerweiterung-Frame als Agens im Akt der Erweiterung selbst als FE ERWEITERNDE_SEQUENZ annotiert wird. Das Präfix ‚Prä’ wird mit dem FE POSITION annotiert.

Kurzdefinition: Präsequenz beschreibt eine Sequenz, die eine bereits konzeptuell geplante Paarsequenz vor ihrem ersten Gesprächsbeitrag erweitert.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Die Rolle von "[Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz", [die eine folgende Aktivität vorbereiten]Zweck, wird auch in der Konversationsanalyse ausführlich thematisiert (Sacks 1967- 72/96; Schegloff 1980). Günthner 2008: 90
So zeigen Sacks' (1967-72/96:530ff.) Ausführungen zu Alltagserzählungen, dass SprecherInnen ihren Erzählungen meist eine solche [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz vorschalten, [die einerseits der/dem SprecherIn das Rederecht für einen längeren Redebeitrag sichern soll , zum anderen aber auch den RezipientInnen Informationen darüber liefert, welche Art von Erzählung nun folgen wird und wann die Geschichte vorbei ist.]Zweck. Günthner 2008: 90
Doch nicht nur bei so genannten "big packages" (Sacks 1967-72/96:222ff.) liefern SprecherInnen [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz bzw. Rahmungshinweise, auch kleinformatigen kommunikativen Mustern bzw. Aktivitätstypen (wie Einladungen, Vorwürfe etc.) werden gelegentlich [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz ([wie "hast du heute Abend schon was vor?"]Inhalt als [Prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz [für eine folgende Einladung]Erweiterte_Sequenz) vorgeschaltet. Günthner 2008: 90
Die Reaktion auf die [Prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz (z.B. "noch nicht" oder "ja, ich geh mit Annie aus") kontrolliert den Fortgang der Sequenz und damit der kommunikativen Handlung (Sacks 1967- 72/96:529, 1967/96:685ff.). Günthner 2008: 90
Schegloff (1990, 60) unterscheidet dabei zwischen [spezifischen und unspezifischen]Inhalt [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz. [Spezifische]Inhalt [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz leiten eine ganz bestimmte Grundsequenz ein (also z. B. Ersuchen, Ankündigungen, Einladungen), während [unspezifische]Inhalt [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz lediglich ein weiteres Gespräch relevant machen (z. B. die von Schegloff 1972a beschriebene „Aufforderungs-Antwortsequenz“ am Beginn von Telefongesprächen). HSK (16.2) 2001: 1233
[Spezifische]Inhalt [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz sind in vielen Fällen Frage-Antwortsequenzen (z. B. Würdest du mir einen Gefallen tun?, vgl. Schegloff 1990, 60). HSK (16.2) 2001: 1233
Im Falle der letzten Reaktionsmöglichkeit wird die Grundsequenz überhaupt nicht realisiert, sondern der Angesprochene schließt aufgrund des ersten Teils der [spezifischen]Inhalt [Prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz auf die geplante Grundsequenz und beantwortet diese sofort positiv (insofern sind [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz auch ein Mittel der Gesprächsökonomie, da sie dazu dienen können ein interaktives Ziel schneller zu erreichen). HSK (16.2) 2001: 1233
[Erfolgreiche]Effekt [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz werden deshalb oft nicht direkt mit der Grundsequenz fortgesetzt, sondern mit einer Erklärung oder Rechtfertigung dafür, warum die Grundsequenz für den Sequenzinitiator überhaupt relevant ist. HSK (16.2) 2001: 1233
[Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz können damit selbst über ihre Grundstruktur hinaus zu Einheiten, die mehr als zwei Redebeiträge umfassen, expandiert werden, die initialen Redebeiträge werden zu „Prä-präs“ (Schegloff 1990, 61), die die [Prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz einleiten. HSK (16.2) 2001: 1233
Die Eingebundenheit in das Frage-Antwort-Format führt zu [Prä]Position-[sequenzen]Erweiternde_Sequenz, [in denen sich Betroffene verteidigen, noch ehe sie unmittelbar angegriffen worden sind]Inhalt. HSK (16.2) 2001: 1546
In einer [der eigentlichen Klatschmitteilung vorgeschalteten]Erweiterte_Sequenz [Klatsch]Inhalt[prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz wird die Bereitschaft zum Klatschen intersubjektiv ausgehandelt und ratifiziert. Keppler 1987: 288
In der [Prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz werden deshalb Angebote diskret unterbreitet und Nachfragen eher implizit angedeutet als explizit gestellt. Keppler 1987: 290
In diesen verschiedenen [Klatsch]Inhalt[prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz findet zuallererst eine wechselseitige Identifikation des zukünftigen Klatschobjekts - der abwesenden Person, über die Näheres erzählt werden soll - statt. Keppler 1987: 291
Damit kann die [Klatsch]Inhalt[prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz als ,erfolgreich' abgeschlossen gelten. Keppler 1987: 293
Die [Klatsch]Inhalt[prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz besteht in jedem Fall aus einer klatschinitiierenden und einer reaktiven Äußerung. Keppler 1987: 293
In der [Klatsch]Inhalt[prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz werden Meinungen über Abwesende ausgetauscht und Bewertungen vorgenommen. Keppler 1987: 293
Das Vorschalten einer [Prä]Position[sequenz]Erweiternde_Sequenz [in den chinesischen SMS-Daten]Auftretensort (Anm.: Titel). Günthner/ Kriese 2012: online.
Solche [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz, [die aus Floskeln wie 在不? ('Bist du da?'), 在忙? ('Bist du gerade beschäftigt?') oder 现在干嘛呢? ('Was ist gerade bei dir los?/Was machst du gerade (so)?') bestehen]Inhalt, bilden eine methodische Strategie, um die situative Kommunikations​bereitschaft des angesimsten Partners abzuklären. Günthner/ Kriese 2012: online.
Im Falle von Vorschlägen/Einladungen haben [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz [in der Face-to-face-Kommunikation]Auftretensort die Funktion, erst einmal abzuklären, ob das Gegenüber prinzipiell für eine Verabredung ansprechbar ist, um auf diese Weise eine dispräferierte, u. U. gesichtsbedrohende Reaktion vom Gegenüber (beispielsweise eine Ablehnung) zu vermeiden (Schegloff 1980; 2007; Gülich/Mondada 2008). Günthner/ Kriese 2012: online.
Die chinesischen Dialoge setzen dagegen häufig mit einer [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz ein, [die die kurzfristige Verfügbarkeit des Gegenübers zum Reden, Plaudern etc. abfragt.]Zweck. Günthner/ Kriese 2012: online.
Ein Typ solcher vorgeschalteten Aktivitäten, der wiederum selbst sequentiell organisiert ist, sind [Prä]Position[sequenzen]Erweiternde_Sequenz. Becker-Mrotzek/ Meier 2002: 27