Annotationsreport Sprechakt

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Turn

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FEsAnzahl annotierter FEs
ANZAHL4
ART_UND_WEISE6
EIGENSCHAFT20
HÖRER2
INHALT12
INTENTION8
SEQUENZIELLE_ABFOLGE10
SPRECHER18
ÜBERGEORDNETE_HANDLUNG2

Akt von lat. actus (= Tat) und lat. agere (= handeln). Somit quasi deverbal von handeln, da der Sprechakt semantisch einer Sprechhandlung entspricht. Ein-/Zweiwertige Valenz: ‚jmd. handelt’/’jmd. handelt nach etw.’. Dieser rein fachsprachliche Terminus von John Searl, der der Sprechakt-Theorie zugeordnet wird, wird aus didaktischen Gründen im Turn-Frame annotiert, wobei zur besseren Differenzierung hier das FE INTENTION hinzukommt.

Kurzdefinition: Ein Sprechakt oder eine Sprechhandlung ist eine sprachliche Äußerung, mit welcher eine bestimmte Intention verfolgt wird.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Hier wie auch in der Arbeit von Bührig / Rehbein (2000) zum reproduzierenden Handeln wird auf handlungstheoretisch fundierte Konzepte linguistischer Theoriebildung Bezug genommen, um analytisch verschiedene Grade der Übernahme von Verantwortung für [sprachlich]Art_und_Weise [realisierte]Support Sprechakte zu fassen (vgl. dazu genauer in Kapitel 8.2.2.2).61. Apfelbaum 2004: 46 Support-Verb
Gleichwohl wird davon ausgegangen, dass ein konkretes Sprechereignis wie z.B. eine Unterhaltung stets eingebettet sei in eine Sprechsituation (speech situation) – z.B. eine Party – und eine solche Sprechsituation in der Regel aus [mehreren]Anzahl Sprechakten (speech acts) – [wie z.B. einem Witz]Inhalt – zusammengesetzt sei (vgl. Hymes 1972/1986, 56). Apfelbaum 2004: 78
Ausgangspunkt für die Annahme eines Konzepts wie Aktivitätstyp ist für Levinson die Schwierigkeit, [einzelne]Anzahl Sprechakte – [wie z.B. den Ausruf einer Zuschauerin in einem Basketballspiel]Inhalt (vgl. Levinson 1979/1992, 68) – angemessen zu verstehen, ohne auf (inferenzierbares) Hintergrundwissen zurückzugreifen. Apfelbaum 2004: 78
Demgegenüber scheint die Kontextualisierung von Dolmetschvorlagen im MI-Korpus wie auch in weiten Teilen des HS-Korpus und des VM-Korpus ganz anders zu funktionieren, denn dort dominieren pronominale Verweise auf in der Dolmetsch-Interaktion anwesende Personen sowie direkte Fragen bzw. Aufforderungen zur Realisierung von Sprechakten, [die als semantisch-pragmatische Projektierungen interpretiert werden können]Intention. Apfelbaum 2004: 181
In beiden Fällen wird auf die Partei, an die die Frage gerichtet werden soll, im Beitrag von SP pronominal verwiesen (para ellos; que buscarían; 36/37; bzw. tienen; 82), wobei der [realisierte]Support Sprechakt [„Frage“]Inhalt [über den Gebrauch von Fragemorphem (qué tipo de; 37) oder mit syntaktischen Mitteln wie Inversion]Inhalt [signalisiert wird]Support. Apfelbaum 2004: 181 f. Support-Verb
In beiden Fällen bedient sich SP semantisch-pragmatischer Projektierungen, wenn er mit der Imperativform eines verbum dicendi (dígale a bzw. dígale que) der dolmetschenden Person einen Auftrag für einen [sequenziell nachfolgend]Sequenzielle_Abfolge [auszuführenden]Support Sprechakt erteilt. Apfelbaum 2004: 183 Support-Verb
Auch im MI-2-Korpus findet man vergleichbare semantisch-pragmatische Projektierungen, wenn SP die dolmetschende Person auffordert, [an seiner Stelle]Sprecher [verschiedene]Eigenschaft Sprechakte [an sein niederländisches Gegenüber]Hörer [zu richten]Support: (…). Apfelbaum 2004: 183 Support-Verb
Während [der Dolmetscher]Sprecher in (20) den Sprechakt [‚Danken‘]Inhalt [verbalisiert]Support, der [zuvor]Sequenzielle_Abfolge vom [Original-Sprecher]Sprecher [mit einer Routineformel]Inhalt [vollzogen worden war]Support, und dann [für die andere Seite]Hörer auf den Sprechakt [‚Empfehlung‘]Inhalt [verweist]Kontroll, finden wir in (21) Indikatoren für eine Kombination aus initiativem und reaktivem Zug (‚Frage‘ und ‚Antwort‘), auf die mit question und répondre referiert wird. Apfelbaum 2004: 233 Support-Verb

Kontroll-Verb

Vergewisserungsfragen sind der [Klasse]Anzahlder [direktiven]Eigenschaft Sprechakte zuzuordnen. Hagemann 2009: 157
Gegen die Interpretation der Äußerung in den Zeilen 09-10 als Vollzug eines [expressiven]Eigenschaft Sprechakts (Indikator hierfür wäre der Exklamativmodus) sprechen vor allem die Verbzweitstellung sowie die prosodische Struktur (als Ausruf müsste wohl der deiktische Ausdruck das den Primärakzent tragen). Hagemann 2009: 158 f.
Damit setzt ein [Sprecher]Sprecher den (im Falle einer assertiven Bezugsäußerung) assertiven illokutionären Zweck – der darin besteht, zu sagen, was der Fall ist, und damit zu bewirken, dass der Kommunikationspartner den mit der Äußerung erhobenen Wahrheitsanspruchs anerkennt – nachdrücklicher durch, ohne dazu einen [eigenständigen]Eigenschaft Sprechakt, [der diese Aufgabe übernimmt]Intention, [zu vollziehen]Support. Hagemann 2009: 162 Support-Verb
Mit der Äußerung in Zeile 12 [vollzieht]Support [Sprecherin A]Sprecher also einen Sprechakt [mit einer speziellen assertiven illokutionären Kraft]Intention: Sie stellt eine evidente Behauptung auf. Hagemann 2009: 166 Support-Verb
Beide Autoren unterscheiden zwischen [‘expliziten’ oder ‘direkten’]Eigenschaft Sprechakten auf der einen Seite und [‘impliziten’ oder ‘indirekten’]Eigenschaft Sprechakten auf der anderen Seite. Hormuth 2009: 143
Er widmet sich insbesondere der Beschreibung [explizit performativer]Eigenschaft Sprechakte. Hormuth 2009: 143
Beispielsweise unterscheiden sich die Verfahren zur Formulierung interkultureller Ratschläge darin, wie deutlich der Sprechakt [des Ratschlagens]Inhalt in der Äußerung wird, wie viel Hintergrundwissen ergänzt werden muss und wie viel Handlungsspielraum dem Gesprächspartner gelassen wird (vgl. 9.3). Hormuth 2009: 144
Sprechakte, [die mit der Äußerung eines Satzes]Art_und_Weise [vollzogen werden]Support, [bilden]Support „allgemein [die Funktion der Bedeutung des Satzes“]Eigenschaft (ebd., 32): Die illokutionäre Kraft, die man in Äußerungen an bestimmten sprachlichen Indikatoren festmachen kann, bestimmt, wie die Proposition aufzufassen ist. HSK (16.2) 2001: 886 Support-Verb
Die Sprechakttheorie, da sie als Teil einer allgemeinen Handlungstheorie konzipiert ist, befaßt sich mit den Bedingungen für sprachliches Handeln, mit Bedingungen, die Sprecher berücksichtigen sollten, wenn [sie]Sprecher einen Sprechakt [erfolgreich]Art_und_Weise [vollziehen]Support wollen. HSK (16.2) 2001: 887 Support-Verb
Dialoge (…) setzen sich aus Sprechakten [zweier sprachlich Handelnder]Sprecher zusammen, d. h. sie sind Sprechaktsequenzen, in denen [Sp 1 und Sp 2]Sprecher abwechselnd [aufeinander bezogene]Sequenzielle_Abfolge Sprechakte [vollziehen]Support, wobei sie gemeinsam handelnd individuelle Ziele verfolgen“ (ebd., 217).. HSK (16.2) 2001: 888 Support-Verb
(…) es wird angegeben, welches das Handlungsziel ist, das der Sprecher mit [seinem]Sprecher [initiativen]Sequenzielle_Abfolge Sprechakt absteckt (vgl. hierzu Wunderlich 1976, 300 ff; Hundsnurscher 1980, 92 f). HSK (16.2) 2001: 889
Die Arbeit mit transkribierten Texten authentischer Gespräche besteht nach einer (lediglich intuitiv vorzunehmenden) Segmentierung vor allem in der Identifizierung [der in Gestalt der Äußerungseinheiten]Art_und_Weise [vollzogenen]Support Sprechakte. HSK (16.2) 2001: 890 Support-Verb
Letzteres eröffnet bestimmte Möglichkeiten (und verschließt zugleich andere), wie die Kommunikation fortzusetzen ist, das heißt, [die Menge]Anzahl [reaktiver]EigenschaftSprechakte wird eingeschränkt. HSK (16.2) 2001: 891
(…) [der]Sprecher den [initiativen]Sequenzielle_Abfolge Sprechakt [vollzogen hat]Support, sein kommunikatives Handlungsziel im dritten Zug zu erreichen versucht (z. B. mit einem retraktiven, revidierenden oder reinitiativen Sprechakt) usw. (…). HSK (16.2) 2001: 892 Support-Verb
Verdeckt werden können Bestandteile des zugrundeliegenden Musters in authentischen Gesprächen (…) durch [redeorganisierende]Eigenschaft Sprechakte, metakommunikative Bemerkungen, Rezeptionssignale usw. (vgl. Hindelang 1994, 110). HSK (16.2) 2001: 892
Zumindest die folgenden Relationen müßten unterschieden werden: Die Relation des [mit einer bestimmten illokutionären Kraft]Intention [vollzogenen]Support Sprechakts zu [vorangegangenen oder nachfolgenden]Sequenzielle_Abfolge Sprechakten [ein und desselben Sprechers]Sprecher (hierunter fallen [redeorganisierende]Eigenschaft Sprechakte bzw. Diktumscharakterisierungen; vgl. Hagemann 1997) sowie zu [vorangegangenen oder nachfolgenden]Sequenzielle_Abfolge Sprechakten [eines anderen Gesprächsteilnehmers]Sprecher [(z. B. initiativ, reaktiv, entscheidungsumgehend, insistierend, kommentierend usw.)]Eigenschaft. HSK (16.2) 2001: 893 Support-Verb
Die illokutionäre Kraft der Gesamtäußerung Vs weist in der Dimension der Relation zur Äußerungsumgebung Ausprägungen auf, die den [mit der Äußerung]Art_und_Weise [vollzogenen]Support Sprechakt als positiven Bescheid in bezug auf den Vorschlag und als Entscheidungsumgehung in bezug auf die Bitte Ms spezifizieren. HSK (16.2) 2001: 894 Support-Verb
(…) gibt sie zu verstehen, daß sie Vs Gesamtäußerung dahingehend verstanden hat, daß [er]Sprecher einen [entscheidungsumgehenden]Intention Sprechakt [vollzogen hat]Support. HSK (16.2) 2001: 894 Support-Verb
Mit ISPA und pos. B sind der [erste und der letzte]Sequenzielle_Abfolge Sprechakt [eines wohlgeformten Minimaldialogs]Übergeordnete_Handlung formal charakterisiert. HSK (16.2) 2001: 948
Von der Bedingungslage eines [einfachen]Eigenschaft Sprechakts [mit einem ihm konventionell zugeordneten kommunikativen Zweck]Intention bis hin zu einer hochdifferenzierten Bedingungslage mit einem entsprechend mühsam erreichbaren Zweck gibt es eine Skala von Sequenzmustern von zunehmend komplexer Bauart. HSK (16.2) 2001: 949
[Widersprechen]Inhalt ist ein [potentiell konfliktärer, weil adversativer]Eigenschaft Sprechakt, [der die Gültigkeit etc. einer Vorgängeräußerung in Frage stellt und damit einen Dissens feststellt]Intention (vgl. hierzu auch Spranz-Fogasy 1986). HSK (16.2) 2001: 1520 f. Kopula
Um Schwankende und Vertreter anderer Positionen zur eigenen Position herüberzuziehen, gehen die Debattierenden meist in eher kooperativem Sil (sic!) miteinander um, indem [sie]Sprecher sich [Image-beeinträchtigender]Eigenschaft Sprechakte [enthalten]Kontroll und auch gegeneinander gerichtetes ARGUMENTIEREN verknüpfen mit Sprechakten [wie ERKLÄREN-WARUM, EMPFEHLEN, KONZEDIEREN, DERWERT-SCHÄTZUNGVERSICHERN u. Ä.]Inhalt – und, wenn es leidenschaftlich zugeht, des BEKENNENS, APPELLIERENS und BESCHWÖRENS. HSK (16.2) 2001: 1593 Kontroll-Verb
Dieses Schema kann fakultativ ergänzt werden durch [beziehungsbezogene]Eigenschaft Sprechakte wie [GLÜCKWUNSCH für Teilnehmer, GEDENKEN an verstorbene Mitglieder, ORDNUNGSRUF, AUSSCHLUSS von der Teilnahme etc]Inhalt. HSK (16.2) 2001: 1601
Im Vordergrund standen hier [typische]Eigenschaft Sprechakte [im Unterricht]Übergeordnete_Handlung und ihre Bestimmbarkeit. HSK (16.2) 2001: 1670
Im Kollektiv sprechen, d.h. einen Sprechakt (eine sprachliche Aktivität) [konsensuell und zu mehreren]Sequenzielle_Abfolge [durchführen]Support, so daß dieser Sprechakt von allen daran Beteiligten hervorgebracht und verantwortet wird. Schwitalla 1993: 74 Support-Verb
Gleichzeitig personifiziert [er]Sprecher die Referenz und [drückt]Support einen Sprechakt [der Trauer]Intention [durch das Verb fehlt (Z. 24) in Verbindung mit dem Vagheitsausdruck irchendwie]Inhalt (Z. 24) [aus]Support. Werdecker 2008: 56 Support-Verb
Sowohl mit der Referenz wir und uns (Z. 7), der Modalpartikel doch (Z. 7) als auch durch den [akzentuierten]Eigenschaft Sprechakt gewundert (Z. 7) drückt HEI die Relevanz ihres neu initiierten Themas aus. Werdecker 2008: 61
Mit der kurzen, satzwertigen Routineformel entschuldigung (Z. 12) [greift]Support [HEI]Sprecher den [abgebrochenen]Eigenschaft Sprechakt [RÖs]Sprecher [auf]Support und markiert durch die steigende Intonation und das flüssige Weitersprechen den Wechsel der Sprecherrolle zu ihren Gunsten. Werdecker 2008: 61 Support-Verb
Dies steigert sich im Anschluss zu der zeitlich knapp versetzten Äußerung des [gleichen]Sequenzielle_Abfolge Sprechakts von [KN und NO]Sprecher. Werdecker 2008: 89
So realisiert die Gruppe auch potentiell [face-verletzende]Eigenschaft Sprechakte [in direkter Formulierung]Art_und_Weise stets über einen abschwächenden Modalitätswechsel ins Scherzhafte. Werdecker 2008: 113