Annotationsreport Syntaktische Diskontinuität (LE)

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Syntaktische_Diskontinuität

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FEsAnzahl annotierter FEs
BEZUG1
FORM1
FUNKTION2
REALISIERUNGSART1
SATZKONSTRUKTION9
UMSTAND4

(Syntaktische) Diskontinuität ist ein relationales Nomen: „etw.“ ist diskontinuierlich in Bezug auf die Syntax (adjektivisches Attribut im Mehr-Wort-Lexem „syntaktische Diskontinuität“) → das „etw.“ kann hier mit dem FE SATZKONSTRUKTION annotiert werden, wenn es syntaktisch realisiert wird.

Das adjektivische Attribut „syntaktische“ im Mehr-Wort-Lexem „syntaktische Diskontinuität“ wird häufig elliptisch weggelassen, da es im Kontext der Gesprächsforschung als bekannt vorausgesetzt werden kann: Spricht man hier von Diskontinuität, so meint man in der Regel eine „Vereinzelung“ der Äußerungen. Aus welchem Grund diese Diskontinuität genau entsteht, ob z.B. durch Einschübe, Vorfeldbesetzungen oder Kohärenz markiert das FE UMSTAND.

Kurzdefinition: Mit syntaktischer Diskontinuität wird das in der gesprochenen Sprache häufig beobachtete Prinzip zur Vereinzelung beschrieben. Gesprächsbeiträge treten, anstatt als normale Satzglieder, als isolierte Einzelstücke auf. Es wird z.B. etwas vorweggenommen, abgebrochen oder nachgeholt.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Die Diskontinuität, [die durch parenthetische Einschübe entsteht]Umstand, kann dadurch maßgeblich verringert werden, wobei die Gründe für diese Prozesse in der Sprachverarbeitung zu suchen sind. Stoltenburg 2003. 26 Parenthesen sind Einschübe in einer Satzkonstruktion, gehören also zur Syntax.
Trotz der verschiedenen Funktionen, die aber erfüllt, scheint es bis auf den Fall alsIntensifier eine Grundfunktion zu geben, nämlich die, Diskontinuität [auf etwas Vorangehendes zu markieren bzw. auch zu überbrücken]Funktion. Schlobinski 1992: 313
[Syntaktische]Satzkonstruktion Diskontinuitäten, [die durch Vorfeldbesetzung bzw. Scrambling zustande kommen]Umstand, blockieren die Fokusprojektion (…). Moroni 2008: 2
An diesem Beispiel sieht man, dass auch durch Pausen eine Diskontinuität bzw. eine Abgrenzung der Reparatur vom Äußerungsbeginn hergestellt werden kann. Kindt/ Rittgeroth 2009: 134 Reparatur kann nicht annotiert werden, deutet aber auf eine gesprochensprachliche Änderung einer Satzkonstruktion die durch Sprecher erfolgt.
Abgesehen von der einhelligen Auffassung, dass syntaktische Trennbarkeit (Diskontinuität [finiter Formen im V2-Satz]Satzkonstruktion) morphologische Trennbarkeit (durch -zu- bzw. -ge-) impliziert, nicht jedoch umgekehrt, sind auch hier die Hypothesen widersprüchlich: (…). Freywald/ Simon 2007: 4
Als störend wird vermutlich die (scheinbare) Redundanz der tun-Periphrase und die [grammatischem Gefühl widerstrebende]Realisierungsart Diskontinuität [der „gespaltenen“ bzw. „verdoppelten“ Pronominaladverbien]Satzkonstruktion empfunden; in der vermuteten Redundanz liegt wohl auch der Grund der präskriptiven Ablehnung der doppelten Verneinung (…) und des possessiven Dativs (…). Fleischer 2010: 101f.
Damit werde ich zwar dem oben formulierten Valenzbegriff nicht ganz gerecht (denn Peter muss wohl auch als ein Argument von zu reparieren angesehen werden und eo ipso als seine Ergänzung) und vernachlässige auch sträflich die Nicht-Funktionalität dieser Valenzrealisierungen, aber die Darstellung der Diskontinuität [von Valenzrahmenrealisierungen]Satzkonstruktion gewinnt dadurch erheblich an Klarheit – insbesondere deswegen, weil ich enger an der Darstellung Gunnar Bechs bleiben kann. Lichte 2015: 47
Anhand dieser Darstellung lässt sich die [kohärenzverschuldete]Umstand Diskontinuität [realisierter Valenzrahmen]Satzkonstruktion in mehrere Schweregrade einteilen: (…). Lichte 2015: 80
Es ist aber auch denkbar, dass diese Realisierungen syntaktisch direkter Zusammenhängen, dass also in (37a) nur in einem Altbau die Ergänzung von wohnt ist, während es sich bei in München in der Innenstadt um ein disloziertes Adjunkt von in einem Altbau handelt – darin vielleicht der Diskontinuität [bei NPs (NP-PP-Splits) nicht unähnlich]Satzkonstruktion, [die oben anhand von (35c) erläutert wurde]Bezug. Lichte 2015: 45
Der Reiz ihrer Betrachtung besteht also darin, Modellierungs- und Extensionsmöglichkeiten , welche der Diskontinuität [von Valenzrahmen]Satzkonstruktion und der Auslassung von Valenzrollen gerecht werden, innerhalb eines wohldefinierten und wohlmotivieren formalen Rahmens zu erkunden. Lichte 2015: 128
Der Formzusammenfall ist hingegen maßgeblich an der syntagmatischen Verdichtung beteiligt. Er führt zum Wandel von der Kongruenz zur Diskontinuität, [die die Struktur der neuhochdeutschen NP bestimmt]Funktion(…). Ágel 2011: 408
Diese „[syntaktische]Satzkonstruktion Diskontinuität“ (…) ist eine Gesprächsstrategie, die vorwiegend einer besseren Informationsverteilung (Hervorhebung oder Zurückstellung bestimmter Elemente) dient, und außerdem z. B. Reparaturen, Verzögerungen des Sprecherwechsels u. Ä. erlaubt (…). Averintseva 2007: 142 Gesprächsstrategie und Sprecherwechsel können nicht annotiert werden deuten aber auf FE Sprecher und FE Funktion hin.
Die Diskontinuität, [die durch parenthetische Einschübe entsteht]Umstand, kann dadurch maßgeblich verringert werden, wobei die Gründe für diese Prozesse in der Sprachverarbeitung zu suchen sind. Stoltenburg 2003: 29
Es geht hauptsächlich um Anakoluthe, Parenthesen und Formen [syntaktischer]SatzkonstruktionDiskontinuität [wie Linksherausstellungen, Nachtrag oder Ausklammerungen]Form (vgl. dazu Schwitalla 1997: 76–83). Rybszleger 2009: 10 Linksherausstellung, Nachtrag, Ausklammerung deuten auf FE Sprecher hin, der dies durchführt.