Annotationsreport Versprecher: Unterschied zwischen den Versionen

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|Und selbst wenn man in einer Äußerung wie 11I106 ''dann hast die braunen eh die blauen langen Schrauben'' im Dialog 11 einen Hinweis auf die primäre Problemursache erhält, in diesem Fall auf einen [phonetisch bedingten]<sub>Erscheinungsform</sub> ['''Versprecher''']<sub>Sprechfehler</sub>, ist für die Problemlösung nur der Umstand kommunikativ relevant, dass mit ''braunen'' eine sachlich inkorrekte, zu einer falschen Aussage führenden Farbcharakterisierung gegeben wird.
 
|Kindt &Rittgeroth 2009: 52 f.
 
|Kindt &Rittgeroth 2009: 52 f.
 
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Aktuelle Version vom 3. Dezember 2018, 13:15 Uhr

Sprechfehler

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FEsAnzahl annotierter FEs
ABSICHT2
BEISPIEL4
EFFEKT1
ERSCHEINUNGSFORM13
KORREKTUR3
SPRECHER1
SPRECHFEHLER16

,Versprecher‘ ist deverbales Nomen von versprechen; einwertige Valenz: ,jmd. verspricht sich‘, wobei ‚jmd.‘ dem FE SPRECHER entspricht, versprechen kann als ,ein SRECHER macht einen SPRECHFEHLER‘ paraphrasiert werden. Die LE wird daher selbst als SPRECHFEHLER annotiert.

Kurzdefinition: Versprecher beschreiben fehlerhafte Artikulation von Wörtern oder Satzteilen während des Sprechvorganges.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Diese prosodischen Korrekturtypen korrelieren mit der Art des zu korrigierenden Elements:

Während mit unmarkierten Korrekturen sowohl [phonetische]Erscheinungsform als auch [lexikalische]Erscheinungsform [Versprecher]Sprechfehler und Fehler, die für die Verständigung weniger gravierend sind, bearbeitet werden, werden mit markierten Korrekturen nur die gravierenderen lexikalischen Fehler repariert. Prosodische Fehler, z.B. falsche Akzentuierungen, werden nur dann korrigiert, wenn sie das Verständnis des Zuhörers beeinträchtigen könnten.

HSK (16.2) 2001: 1126
Und selbst wenn man in einer Äußerung wie 11I106 dann hast die braunen eh die blauen langen Schrauben im Dialog 11 einen Hinweis auf die primäre Problemursache erhält, in diesem Fall auf einen [phonetisch bedingten]Erscheinungsform [Versprecher]Sprechfehler, ist für die Problemlösung nur der Umstand kommunikativ relevant, dass mit braunen eine sachlich inkorrekte, zu einer falschen Aussage führenden Farbcharakterisierung gegeben wird. Kindt &Rittgeroth 2009: 52 f.
Wenn man Probleme allerdings konsequent resultatbezogen typisieren will, dann ist u.a. zu klären, wie man mit dem Sachverhalt umgehen will, dass auch [phonetisch verursachte]Erscheinungsform [Versprecher]Sprechfehler zu Lautfolgen ohne Wortstatus führen (wie z.B. jast anstelle von hast in 01I038). Kindt &Rittgeroth 2009: 62
„Mistakeediting“, d. h. die Korrektur eines – [semantischen]Erscheinungsform– [Versprechers]Sprechfehler durch „I mean“; Papantoniou 2012: 53
Unechte Inhaltskorrekturen sind somit mit [lexikalischen]Erscheinungsform [Versprechern]Sprechfehler gleichzusetzen, während echte Inhaltskorrekturen unterschiedliche kognitive Inhalte wiedergeben. Papantoniou 2012: 58
auf der Ebene der Phonetik: Assimilationen und Elisionen, [phonetische]ErscheinungsformVersprecher; Papantoniou 2012: 64
Bei „seimstIefvater“ statt, wie erwartet, des korrekten personaldeiktischen Ausdrucks „dei(ne)m stIefvater“ handelt es sich offensichtlich um einen [Versprecher]Sprechfehler, [der von M nicht repariert wird]Korrektur. Papantoniou 2012: 122
[PAl’s]Sprecher [Versprecher]Sprechfehler [„ein TEI:L“]Beispiel und [dessen Korrektur]Korrektur bieten hier analytischen Zugang: Parallel zu „ein TEI:L in versch-“ (06) tippt PAl nämlich auf die mittlerweile entstandene untere Ebene der Dreieck-Skizze (01:32.12), hält die Hand während des Korrekturverfahrens vor der Tafel (01:32.17). Pitsch 2006: 8
Der [ungewollte]Absicht [Versprecher]Sprechfehler [‚Benzin’]Beispiel wird mit Hilfestellung von KN zu alkohol (Z. 11) berichtigt. Werdecker 2008: 36
Sie umfaßt mittlerweile nicht nur die Untersuchung [gesammelter natürlicher, sondern auch experimentell induzierter]Absicht [Versprecher]Sprechfehler sowie rechnergesteuerte Simulationen (vgl. Kap. 2.3). Marx 2000: 2
Solche [Versprecher]Sprechfehler, [bei denen der Sprecher zwei Intentionen gleichzeitig ausdrückt]Effekt kommen auch heutzutage häufig vor. Levelt 1987: 68
Auch in Bezug auf das von Cutler angeführte Argument der stets in ihrer jeweiligen Sprache [phonetisch legalen]Erscheinungsform [Versprecher]Sprechfehler finden sich Gegenbeispiele, siehe etwa Beispiel (23) für das Deutsche. Schade et al. 2003: 323
Daten über [Versprecher]Sprechfehler und auch über [deren Reparaturen]Korrektur waren in der Vergangenheit Ausgangspunkt für die Entwicklung von Modellen zum kognitiven Prozess der Sprachproduktion. Schade et al. 2003: 335
[Laut]Erscheinungsform[versprecher]Sprechfehler kommen sehr häufig vor. Schwitalla 2006: 41
In der Versprecherforschung seit Meringer/Mayer (1895) hat sich herausgestellt, dass [phonetische]Erscheinungsform [Versprecher]Sprechfehler (wie [morphologische Erscheinungsform und [lexikalische]Erscheinungsform) einem Prinzip folgen, das nur gleiche Einheiten zulässt: Silbenanfänge werden mit Silbenanfängen, Silbenkerne mit Silbenkernen, Silbenschlüsse mit Silbenschlüssen vertauscht (…). Schwitalla 2006: 41
Es gibt nämlich erstens [Versprecher]Sprechfehler, [in denen nur einzelne phonetische Merkmale verschoben werden]Erscheinungsform, z.B. die Antizipation des Merkmals [stimmlos] im [Versprecher]Sprechfehler: [die 111use ist nlit 12ier getauft]Beispiel, oder die Postposition des Merkmals [Rundung] in: [geschlQssene /fl.ste äh liste]Beispiel(Leuninger

1993, 85, 105).

Schwitalla 2006: 42