Annotationsreport Vor-Vorfeld

Aus Terminologisches Grundwissen der Gesprächs- und Diskurslinguistik: eine Lehr- und Lernplattform
Version vom 9. Dezember 2019, 16:05 Uhr von WikiSysop (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Satzfeld

Farben einblenden (Benötigt aktiviertes JavaScript)

FEsAnzahl annotierter FEs
ART_UND_WEISE1
BEZUGSPUNKT16
EIGENSCHAFT1
POSITION24
VORKOMMEN1
ÄUSSERUNGSBEREICH23

Determinativkompositum aus dem doppelten Präfix „Vor-vor-“ und dem Substantiv „-feld“ als semantischem Kopf. Feld ist nicht deverbal ableitbar. Feld ist ein relationales Nomen: „ein Feld von etw.“ →FE ÄUSSERUNGSBEREICH. Vor dem Hintergrund des Satzfelder-Frames ist das Vor-Vorfeld ein Teil im Modell eines Satzes, deshalb wird das FE BEZUGSPUNKT (z. B. der Satz, Satzteil, topologisches Modell etc.) als zentral für die Definition der LE angesehen.

Das doppelte Präfix „Vor-vor-„ definiert die Stellung im Satz. Deshalb ist das FE POSITION durch das Erstglied „Vor-vor-“ instanziiert.

Kurzdefinition: Vor-Vorfeld beschreibt den Bereich im Satz, der noch vor dem Vorfeld liegt (vor dem linken Rand). Im klassischen Feldermodell ist dieser Bereich nicht vorgesehen. Dies können z. B. Anfügungen, Anreden, Vokative oder Material, welches vorausgeschickt wird, sein.

Beispiele:

Diesen Betriebswirt, den bietet die Fernuni in Hagen an.

Mein Gott der Regen der hört nicht mehr auf.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Andererseits ist es aber auch möglich, dasselbe natürlich projektiv zu verstehen, d.h. als [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [einer entstehenden syntaktischen Gestalt (jeder verdient sein Geld)]Bezugspunkt. Auer 1997: 67
Wenn-Sätze dieses Typs kommen übrigens auch im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [von Fragesätzen]Bezugspunkt vor, wie das folgende Beispiel belegt: (…). Auer 1997: 70
Die unterschiedliche Klitisierbarkeit von Pronomina im Vor-Vorfeld und in linker Klammerposition deutet darauf hin, daß auch solche [konjunktionalen]Art_und_Weise [Vor-Vor]Position[felder]Äußerungsbereich, die prosodisch mit der Folgeäußerung in eine Kontur integriert sind, mindestens eine eigene phonologische Phrase (im Sinne von Nespor & Vogel 1986) bilden, während Subjunktionen mit den folgenden Pronomina in eine klitische Gruppe zusammengefaßt sind. Auer 1997: 77
So finden sich wenn- Sätze im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [von Frage- und Imperativ-konstruktionen.]Bezugspunkt. Günthner 1999: 8
Die inhaltlich lockere Beziehung zwischen Protasis und Apodosis wird ikonisch durch die lose Anbindung des [Vor-Vor]Position[felds]Äußerungsbereich an das folgende Syntagma reflektiert. Günthner 1999: 13
Ein Beispiel für einen wenn-Satz im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [eines Imperativs]Bezugspunkt konnten wir in E-MAIL I "Wenn ich dich vor den Semesterferien nicht mehr sehen sollte: hab schöne, erholsame Ferien." beobachten. Günthner 1999: 16
Diese auf der Diskursebene (und nicht etwa auf der Ebene der Propositionen) angesiedelte Konditionalbeziehung - und damit verbunden: die (relative) Unabhängigkeit der beiden Propositionen voneinander - wird ikonisch durch die nur lose topologische Anbindung des [Vor-Vor]Position[felds]Äußerungsbereich an das folgende Syntagma und die damit verbundene topologische Selbständigkeit des Hauptsatzes reflektiert. Günthner 1999: 17
Topologisch besetzen die wenn-Sätze das [dem Vorfeld vorgelagerte]Position [Vor-Vor]Position[feld.]Äußerungsbereich. Günthner 1999: 26
Wenn-Sätze können auch im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [von Fragesätzen]Bezugspunkt stehen. Günthner 1999: 30
Im folgenden Ausschnitt steht der wenn-Satz im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [einer w-Frage]Bezugspunkt: (…). Günthner 1999: 30
Die Bedeutung des Vorfelds im Deutschen (bzw. des [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [in Linksversetzungskonstruktionen]Vorkommen) für Kontrastivität hat Frey (2006) herausgearbeitet. Freywald 2008: 256f.
Wollte man die mit ? bezeichnete erste Stelle in (63) als [intern nicht weiter strukturiertes]Eigenschaft [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich ansehen, so wäre man zu der Annahme gezwungen, dass funktionale Elemente, z. B. Konjunktionen, und lexikalische Kategorien, wie Nominal- und Präpositionalphrasen, sich ein und dasselbe Feld teilen können (was für die anderen Felder ausgeschlossen ist). Freywald 2008: 273
Phänomene, die wir mit dem Operator-Begriff erfassen, werden, wenn man einen topologischen Bezugsrahmen anlegt, im Bereich des [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [des Satzes]Bezugspunkt verortet. Schröder 2006: 206
Sie untersuchen durchweg zweigliedrige Operator-Skopus-Strukturen, wobei der Operator im [Vor-Vor]Position [feld]Äußerungsbereich [des Satzes]Bezugspunkt steht und sich auf eine folgende vollständige Äußerung bezieht. Liedtke & Hundsnurscher 2015: 4
Zwar ist der Skopus in der Regel satzförmig, der zugehörige Operatorsteht dann aber im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich, [einer Position]Bezugspunkt, bei der zumindest unterschiedliche Auffassungen bestehen, ob sie Bestandteil des 'normalen' deutschen Satz ist. Fiehler 1999: 188
Für schriftsprachliche Korpora werden solche Formen – genau wie deswegen im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [eines Hauptsatzes]Bezugspunkt – häufig als etwa mit einem Doppelpunkt abgesetzt beschrieben. König 2012: 60
Im nächsten Ausschnitt finden sich sowohl eine ich mein-Phrase im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [eines Interrogativ]Bezugspunkt als auch [eines Imperativsatzes]Bezugspunkt. Günthner/ Imo 2003: 11
Eine derartige Verselbständigung von wie auch immer, wie dem auch sei usw. wird zweifellos durch den schon erwähnten Umstand gefördert, dass Irrelevanzkonditionalen im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [des Hauptsatzes]Bezugspunkt stehen, also nur in sehr geringem Maße in den komplexen Satz integriert sind (…). Leuschner 2000: 353
Prototypische Interjektionen sind unflektierbar und monomorphematisch, sie weisen keine lexikalischen Strukturen auf, sind syntaktisch autonom undholophrastisch, können allerdings im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [eines Satzes]Bezugspunkt stehen (seltener auch rechtsperipher). Baldauf-Quilliatre 2013: 2
Vor dem Hintergrund dieser uneinheitlichen terminologischen und begrifflichen Situation möchte ich mich mit meinen weiteren Überlegungen auf der Grundlage eines Korpus von zehn Täglichen Talkshows mit dem Auftreten der Partikel `ja´ im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [syntaktischer Einheiten gesprochener Sprache]Bezugspunkt beschäftigen. Meer 2007: 2
Die Gegenüberstellung ausgerechnet dieser beiden Wortartklassen ist u.a. dadurch motiviert, dass sich die Nutzung der Partikel `ja´ als Element des [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich aus sprachhistorischer Perspektive nach Molnár tatsächlich aus der Antwort- und Bestätigungspartikel `ja´ entwickelt hat (…). Meer 2007: 3
Wie sieht es nun aus, wenn die Partikel `ja´ lediglich ein turneinleitendes Element im [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich [einer syntaktischen Einheit]Bezugspunkt bildet? Meer 2007: 5
Zwar unterstreicht `ja´ als Element des [Vor-Vor]Position[feld]Äußerungsbereich auf gesprächsorganisatorischer Ebene die prinzipielle Bereitschaft des/der Sprechenden, die Interaktion fortzusetzen, von einer vergleichbaren Bestätigung auf propositionaler Ebene kann ausgehend von den untersuchten Talkshowbeispielen jedoch keine Rede sein. Meer 2007: 7