Annotationsreport Präfigierung

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Affigierung

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FEsAnzahl annotierter FEs
ANFÜGUNGSPROZESS_LINKS17
ANZAHL1
BASIS6
BEISPIEL_ANFÜGUNGSPROZESS_LINKS5
BEISPIEL_WORTELEMENT_LINKS11
EIGENSCHAFT2
FUNKTION1
WORTART1
WORTELEMENT_LINKS2

Deverbales Nomen von lat. praefigere = 'vorne anheften/anfügen'. Zweiwertige Valenz: 'jmd. heftet/fügt etw. vorne an'; hier im Sinne von jmd. (= WORTPRODUZENT) fügt ein Präfix (=WORTELEMENT_LINKS) vor eine BASIS an. FE WORTPRODUZENT wird aufgrund der Fachsprachenebene allerdings in der Regel nicht realisiert.

Da es sich bei der Präfigierung also um einen Prozess handelt, bei dem ein Präfix an eine BASIS angefügt wird, wird die LE im Folgenden – analog zu Präfix als WORTELEMENT_LINKS – als ANFÜGUNGSPROZESS_LINKS annotiert.

Kurzdefinition: Morphologischer Prozess, bei dem ein Präfix vor eine Basis angefügt wird.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Im Althochdeutschen ist zur Bezeichnung der Vergangenheitstempora ein Nebeneinander von synthetischen Verbalformen mit Ablaut oder Dentalsuffix -ta (und eventuell [gi-]Beispiel_Wortelement_links[Präfigierung]Anfügungsprozess_links [der finiten Präteritalformen]Basis) und analytischen Verbalformen mit habên beziehungsweise eigan und Partizip Präteritum zu beobachten. Froschauer 2014: 195
Dazu zählen die mögliche symmetrische Koordination mit bestimmten Wortarten, die Kombination mit Prädikativen und die [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [durch auf bestimmte Wortarten spezialisierte Zusätze sowie ebenfalls auf bestimmte Wortarten beschränkte Modifikatoren]Wortelement_links. Rothstein 2011: 369
Die Negationspartikel un- ist eindeutig auf die qualitative Negation festgelegt; d.h., bei der [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [mit un-]Beispiel_Wortelement_links wird dem jeweiligen Determinatum eine Eigenschaft beigelegt, die als Gegensatz der im unpräfigierten Adjektiv genannten Eigenschaft verstanden wird. Eichinger 1982: 111
So führt ein Weg von der syntaktischen Fügung über die [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [mit nicht-]Beispiel_Wortelement_links [zur noch zusätzlich bewerteten]Eigenschaft [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [mit un-]Beispiel_Wortelement_links, wobei der genaue Abstand zwischen der [nicht-]Beispiel_Wortelement_links und der [un-]Beispiel_Wortelement_links [Präfigierung]Anfügungsprozess_links vom Inhalt des unpräfigierten Adjektivs abhängt. Eichinger 1982: 115 [Anm. 366]
Das Verhältnis von Negationsverhalten zu syntaktischem Verhalten ist im Einzelfall unterschiedlich geartet, da zwar eine positive Korrelation bei un- in jedem Fall gegeben ist, bei der [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [eines bereits wertenden Simplex]Basis aber auch die [bereichsbeschränkende]Funktion [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [mit nicht-]Beispiel_Wortelement_linkslogischerweise ebenfalls ein Volladjektiv ist. Eichinger 1982: 118
Im Deutschen ist das Negationsaffix un- (von der [beschränkten]Eigenschaft [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [von Nomina]Basis abgesehen) nur mit Adjektiven, nicht aber mit Verben kombinierbar. Maienborn 2011: 319
Änderung der Rektion kann — wie schon aus obigen Beispielen z.T. ersichtlich — mit der [Zweit]Anzahl[Präfigierung]Anfügungsprozess_links verbunden sein: [ich gewöhne mich an etw. > ich gewöhne mir etw. an]Beispiel_Anfügungsprozess_links. Kühnhold 1974: 195
Dagegen führt die [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [mit raz-]Beispiel_Wortelement_links [in razdelit’]Beispiel_Anfügungsprozess_links u.a. zur neuen lexikalische Bedeutung ‘(das Schicksal u.ä.) teilen’, in diesem Fall mit dem Aspektpartner razdeljat’. Lehmann 2003: 143
Interessant ist nun, daß diese Phrasen bei [un-]Beispiel_Wortelement_links[Präfigierung]Anfügungsprozess_links nicht auftreten können. Rapp 1996: 233
Zum einen wird ihr Auftreten durch die – [adjektivtypische]Wortart – [un-]Beispiel_Wortelement_links[Präfigierung]Anfügungsprozess_links generell ausgeschlossen:

(63) a. Die Suppe ist (*von Maja) [ungewürzt]Beispiel_Anfügungsprozess_links. (Lenz 1993; 34 (2 a))

b. Der Brief ist (*mit roter Tinte) [ungeschrieben]Beispiel_Anfügungsprozess_links.

c. Das Haar war (*häßlich) [ungekämmt]Beispiel_Anfügungsprozess_links. (Kratzer 1993: 17)

Rapp 1996: 254 [ungewürzt], [ungeschrieben] sowie [ungekämmt] wurden trotz fehlender Abhängigkeit zum Target annotiert, da es sich hier um repräsentative Beispiele für das Ergebnis einer Präfigierung (= BEISPIEL_ANFÜGUNGSPROZESS_LINKS) handelt.
Die [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [transitiver Basen mit präpositionalem Komplement]Basiskann als Inkorporation erklärt werden. Fleischer/Barz (2012): 384
Die meisten Verben mitent- (ahd. int-, älter ant- ,gegen‘, vgl. noch in Antwort, Antlitz) sind Ergebnis einer [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [simplizischer Verben]Basis, ein kleinerer Teil hat eine nominale Basis. Fleischer/Barz (2012): 385
Die Hauptfunktion der [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [von Simplizia]Basis [mit er-]Beispiel_Wortelement_links besteht in der Bildung egressiver Verben. Fleischer/Barz (2012): 387
Für die [Präfigierung]Anfügungsprozess_links [mit Fremdpräfixen]Wortelement_links insgesamt ist charakteristisch, dass vielfach das gleiche Basisverb mit mehreren Präfixen vorkommt, als selbstständiges Verb jedoch nicht gebräuchlich ist: de-, dis-, pro-, reponieren; ex-, kon-, subtrahieren. Fleischer/Barz (2012): 396