Annotationsreport Sprecherwechselsystem

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Turn-Taking-Machinery

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FEsAnzahl annotierter FEs
ART_UND_WEISE1
FORSCHUNGSHINTERGRUND2
SPRECHERWECHSEL11
SYSTEM11
ÜBERGEORDNETE_HANDLUNG1

Dreigliedriges Kompositum mit ‚System‘ als semantischem Kopf. Sortales Nomen, hier im Sinne von ‚System als Prinzip, nach dem etwas gegliedert, geordnet wird‘. Der semantische Kopf ‚System‘ wird im übergeordneten Frame Turn-Taking-Machinery selbst als FE SYSTEM annotiert. Die ersten beiden Glieder ‚Sprecherwechsel‘ des Kompositums realisieren das FE SPRECHERWECHSEL.

Kurzdefinition: Das Sprecherwechselsystem beschreibt eine Art Ordnungsprinzip im Sprecherwechsel, das gewisse Regeln, die die Turnkonstruktion und die Rederechtverteilung betreffen, vorgibt und dessen sich die Gesprächspartner teil bewusst, teils unbewusst bedienen.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Mit dem [Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[system]System ist die Verteilung bestimmter Aktivitätstypen verbunden, wie die Organisierung der Interaktion in Frage-Antwort-Sequenzen, in denen der ‚Agent‘ der Institution (der Beamte, Interviewer oder Lehrer) das Fragerecht hat, während der ‚Klient‘ die Rolle des Antwortenden übernimmt (…). HSK (16.2) 2001: 1364
Da sich Verkörperungssequenzen über mehrere Turns erstrecken können, wird das [ansonsten in Alltagsgesprächen greifende]Übergeordnete_Handlung [Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[system]System ausgesetzt. Stadelmann 2012: 271
D. h. globale Diskursstrukturen können ein [Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[system]System beeinflussen, bzw. für sie können spezifische Subsysteme gelten (kooperative Erzeugung von Erzählungen). HSK (16.2) 2001: 1105
Das [Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[system]System beschreiben Sacks et al. (1974, 702-704) als Kombination aus einer beitragsbildenden und einer beitragszuweisenden Komponente (turn-constructional component und turn-allocational component) sowie einem Regelset, in dem die beiden Komponenten zusammenwirken und das den Sprecherwechsel steuert. Olbertz-Siitonen 2009: 25
Aber auch in neuerer Zeit wird die Bedeutung des Nonverbalen für den Sprecherwechsel untersucht und berücksichtigt – insbesondere im Bezug auf das [Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[system]System [von Sacks et al. (1974)]Forschungshintergrund. Olbertz-Siitonen 2009: 35
Turn-taking wird in Seminaren, Interviews, Debatten und weiteren Speech-exchange systems anders organisiert, wobei der Wechsel im Rahmen von Debatten, die ja in verschiedener Hinsicht streng vorstrukturiert sind, eine extreme Umformung des [elementaren]Art_und_Weise[Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[systems]System darstellt (Sacks et al. 1974, 731). Olbertz-Siitonen 2009: 42
West und Zimmerman beziehen ihre Untersuchungen nicht nur auf das [Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[system]System [von Sacks et al. (1974)]Forschungshintergrund, sondern bringen sie auch ausdrücklich mit der damals noch jungen Konversationsanalyse bzw. mit inzwischen klassischen konversationsanalytischen Arbeiten in Verbindung. Olbertz-Siitonen 2009: 55
Die Autoren fassen das Gespräch („conversation“) als eine bestimmte Art von „[Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[system]System“ („speech-exchange system“; ebd., S. 696) auf, das nach anderen Regelmäßigkeiten abläuft als beispielsweise Interviews oder Debatten. Papantoniou 2012: 19
Sacks u. a. gehen von zwei Bestandteilen des [Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[systems]System aus, nämlich von einer Turnkonstruktionskomponente („turn-constructional component“) und von einer Turnvergabekomponente („turn-allocation component“). Papantoniou 2012: 19
Das [Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[system]System ist darauf ausgerichtet, die möglichst reibungslose Aufeinanderfolge von Redebeiträgen zu gewährleisten („minimization of gap and overlap“; ebd., S. 705). Papantoniou 2012: 19
So weist beispielsweise das change-of-state-token „oh“ in Alltagsgesprächen (Heritage 1984) eine andere Distribution auf als in Interviews (Schiffrin 1987), was auf die unterschiedlichen [Sprecherwechsel]Sprecherwechsel[systeme]System zurückzuführen ist. Papantoniou 2012: 31