Annotationsreport Suffix

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Affigierung

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FEsAnzahl annotierter FEs
ANZAHL1
BASIS3
BEISPIEL_ANFÜGUNGSPROZESS_RECHTS9
BEISPIEL_WORTELEMENT_RECHTS21
EIGENSCHAFT1
FUNKTION10
SPRACHE3
WORTART5
WORTELEMENT_RECHTS26

Deverbales Nomen von lat. suffigere = 'hinten anheften', abgeleitet von der Partizipform affixum = ‚hinten anheftet'. Suffix ist mit „das hinten Angehefete“ übersetzbar.

Suffixe sind Affixe, die im Hinblick auf ihre Position spezifiziert sind. Sie sind alleine nicht wort- bzw. wortformfähig und werden rechts von einer Basis angefügt. Die LE wird deshalb im Folgenden als WORTELEMENT_RECHTS annotiert.

Kurzdefinition: Unselbstständiges Wortelement, das rechts von einer Basis angefügt wird und unterschiedliche Funktionen (z.B. Wortbildung oder Flexion) übernehmen kann.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Das [Suffix]Wortelement_rechts [-ir]Beispiel_Wortelement_rechts [des Indoeuropäischen]Sprache gibt an, dass ein Nomen eine Gesamtheit bezeichnet (Wegener 2008: 345). Rostila 2014: 107
Es entsteht das [Plural]Funktion[suffix]Wortelement_rechts[-er]Beispiel_Wortelement_rechts ([Rind]Basis-[er]Beispiel_Wortelement_rechts, [Kind]Basis-[er]Beispiel_Wortelement_rechts). Rostila 2014: 108
Für Diminutiva mit dem [Suffix]Wortelement_rechts [-chen]Beispiel_Wortelement_rechts ergibt sich somit folgendes Wortbildungsmodell (vgl. Motsch 2004: 434):

[DIM (N)] (r)

[SM; PFN -chen, Neutrum]

[Bsp.: das Äckerchen, Äffchen, Ästchen]Beispiel_Anfügungsprozess_rechts.

Michel 2014: 142 [Bsp.: das Äckerchen, Äffchen, Ästchen] wurde trotz fehlender Abhängigkeit zum Target annotiert, da es sich hier um repräsentative Beispiele für das Ergebnis einer Suffigierung handelt (= BEISPIEL_ANFÜGUNGSPROZESS_RECHTS).
Das Wortbildungsmuster verknüpft nun dieses semantische Muster mit der phonologischen Form für Nomina (PFN) und dem [Suffix]Wortelement_rechts [-chen]Beispiel_Wortelement_rechts, dessen Ergebnis ein komplexes Neutrum bildet. Michel 2014: 142
Die Annahme virtueller Zwischenschritte oder das Postulat von Zirkumfixen der Art be--igen und un--ig würden auch hier in keinem erkennbaren Zusammenhang zu der Konversion Nomen > Verb (Spiel > spielen wie in bespielen) sowie der Ableitungen mittels der [Suffixe]Wortelement_rechts [-igen]Beispiel_Wortelement_rechts ([festigen, reinigen, sättigen]Beispiel_Anfügungsprozess_rechts) und [-ig]Beispiel_Wortelement_rechts ([witzig, farbig, flockig]Beispiel_Anfügungsprozess_rechts) stehen, die jedoch zum Wortbildungswissen der Sprecher gehören. Michel 2014: 146
[[y]N/V-ig]A dagegen führt im Deutschen zu denominalen bzw. -verbalen Adjektiven mit dem [Suffix]Wortelement_rechts [-ig]Beispiel_Wortelement_rechts ([z. B. feur[ig], spaß[ig], gläub[ig], lust[ig] etc.]Beispiel_Anfügungsprozess_rechts). Michel 2014: 149
Die beiden sehr allgemeinen bzw. abstrakten Konstruktionen auf der obersten Ebene repräsentieren produktive Modelle für N+N- bzw. A+N-Komposita (z. B. Haustür, Großmarkt) auf der einen Seite und deverbale Nomen Agentis- bzw. Instrumental-Bildungen mit dem [Suffix]Wortelement_rechts [-er]Beispiel_Wortelement_rechts (z. B. [Lehrer, Mixer]Beispiel_Anfügungsprozess_rechts) auf der anderen Seite. Michel 2014: 151
So hat von den reihenbildenden Bedeutungsvarianten, die Nübling et al. (2006, 74) auf Grundlage von Flury (1964) für das [Adjektiv]Wortart[suffix]Wortelement_rechts [-bar]Beispiel_Wortelement_rechts herausarbeiten, lediglich ‚kann ge-x-t werden‘ als produktive Wortbildungsbedeutung überlebt, während ehemals konkurrierende Optionen wie ‚pflichtig‘ nur noch in lexikalisierten Bildungen wie zahlbar vorhanden sind. Hartmann 2013: 101
[Derivations]Funktion[suffixe]Wortelement_rechts haben typischerweise eine sehr allgemeine „Bedeutung", während freie Morphem(komplex)e typischerweise eine spezifischere Bedeutung haben. Höhle 1982: 84
Die [Adjektiv]Wortart[suffixe]Wortelement_rechts [-freundlich, -fest, -haltig]Beispiel_Wortelement_rechts, die [Substantiv]Wortart[suffixe]Wortelement_rechts [-zeug, -gut]Beispiel_Wortelement_rechts haben deutlich erkennbare Verwandtschaft zu frei vorkommenden Morphemen, während solche Verwandtschaft bei -echt, -los, -mäßig, -wesen, -werk schon weniger direkt und bei -ig, -bar, -chen, -ung, -heil, -twn überhaupt nicht vorhanden ist (aber historisch jedenfalls bei einigen vorhanden war). Höhle 1982: 85
Rechtstilgungen bei Suffixderivata sind nicht leicht zu finden, weil sie voraussetzen, daß bei demselben Erstglied zwei verschiedene, aber in ihren Funktionen vergleichbare und deshalb in der Koordination [kontrastierbare]Funktion [Suffixe]Wortelement_rechts vorkommen, was naturgemäß selten ist. Höhle 1982: 90
Vor [Suffixen]Wortelement_rechts [wie -isch, -ung]Beispiel_Wortelement_rechts hingegen bleibt Stimmhaftigkeit erhalten: Das d in Windung, kindisch ist stimmhaft. Höhle 1982: 90
Wenn dann den [Ableitungs]Funktion[suffixen]Wortelement_rechts von Anfang an keine selbständige Bedeutung mehr zukonmt (s. Paul 1920: 47), kann sinnvollerweise nicht mehr davon ausgegangen werden, daß neue Wortbildungen als "eine Zusammensetzung von Stanm- und Ableitungssilbe" (Paul 1920: 47) zu sehen sind. Eichinger 1982: 8 f.
[-isch]Beispiel_Wortelement_rechts als [polyfunktionales]Funktion [Suffix]Wortelement_rechts taucht in verschiedenen Gruppen auf. Eichinger 1982: 10
Ableitungen sind dann Kombinationen solcher Morpheme, [spezieller] [Suffixe]Wortelement_rechts [mit einem freien Morphem/ Morphemgefüge]Basis. Eichinger 1982: 13 [spezieller] nicht bedeutungsrelevant.
Nach Fleischer (1969; 1975: 71) bildet das [produktive]Eigenschaft[Adjektiv]Wortart[suffix]Wortelement_rechts [–isch]Beispiel_Wortelement_rechts vornehmlich desubstantivische Ableitungen (s. Fleischer 1969; 1975: 263). Eichinger 1982: 15
Das gilt besonders für Adjektive mit einem [polyfunktionalen]Funktion [Suffix]Wortelement_rechts, [wie es -isch ist]Beispiel_Wortelement_rechts, dessen lexikalische Bedeutung ohne diesen konkreten Bezug nur sehr vage angegeben werden kann. Eichinger 1982: 73
Die Adjektive auf -er-isch/-erisch bieten deswegen ein so differenziertes Bild, weil sie von zwei Ableitungsmustem beeinflußt sind, die zur Ansetzung von [zwei]Anzahl [Suffixen]Wortelement_rechts führen. Eichinger 1982: 98
Einfacher ist die Lage bei den Bildungen auf die [Lehn]Sprache[suffixe]Wortelement_rechts [-ismus, -ität, -ik]Beispiel_Wortelement_rechts. Eichinger 1982: 180
Deutsche und niederländische Komposita sind rechtsköpfig, d. h. die jeweils rechte Konstituente ist der Kopf und bestimmt damit Wortart, Genus und die Wahl des [Plural]Funktion[suffixes]Wortelement_rechts . Hüning/ Schlücker 2010: 790
Nicht in allen Fällen handelt sich dabei um Relikte einstiger [Kasus]Funktion[suffixe]Wortelement_rechts („uneigentliche Komposition“, GRIMM 1878), z. B. des Tages Zeit → Tageszeit. Hüning/ Schlücker 2010: 790f.
Das Adjektiv ist außerdem in der Regel monomorphemisch (Buntspecht, Breitschädel, nieuwbouw ‘Neubau’, zwarthandel ‘Schwarzhandel’; abweichend verhalten sich hier Ländernamen und einige Adjektive auf -ig sowie Bildungen mit den [Fremd]Sprache[suffixen]Wortelement_rechts [-al und -iv]Beispiel_Wortelement_rechts (FLEISCHER / BARZ 1995, 105): Englischhorn, Flüssiggas, Billigflieger, Universalgelehrter, Sexualverhalten, Kapitalverbrechen, Exklusivinterview, Suggestivkraft, Alternativlösung, speciaalzaak ‘Fachgeschäft’, totaalbedrag ‘Gesamtbetrag’, außerdem Endlospapier, openbaarmaking ‘Bekanntmachung’. Hüning/ Schlücker 2010: 792
Ausnahmen von dieser Regel sind im Deutschen und Niederländischen Wortelement_rechtssweise das Kind – het kind, das Weib – het wijf sowie Substantive mit [Diminutiv]Funktion[suffix]Wortelement_rechts: [das [Mädchen – het meisje, das Männlein– het mannetje]Beispiel_Anfügungsprozess_rechts). Hüning/ Schlücker 2010: 800
Es würde dann sichtbar, daß das neutrale Genus lediglich dem [Diminutiv-]Funktion[Suffix]Wortelement_rechts zuzuschreiben ist ([wie auch bei Fräu-lein]Beispiel_Anfügungsprozess_rechts), so daß die scherzhafte Frage des Franzosen Chez vous, les filles n ’ont pas de sexe? die Grammatik, aber nicht die weiblichen Wesen von Fleisch und Blut betrifft. Gipper 1976: 40 f.
Im Bereich des S e m a n t i s c h - L e x i k a l i s c h e n sind es bestimmte Wortbildungsmittel — Suffixe und Präfixe —, die für Wörter fremdsprachlicher Herkunft charakteristisch sind , z.B. die [Adjektiv]Wortart[suffixe]Wortelement_rechts [-iv]Beispiel_Wortelement_rechts ([emotiv, kontrastiv]Beispiel_Anfügungsprozess_rechts),[-al]Beispiel_Wortelement_rechts ([rational, kultural]Beispiel_Anfügungsprozess_rechts ), die Substantivendungen -ie (Enzyklopädie, Phantasie, Melodie, Deponie), -ant (Foliant, Diversant, Sympathisant), -ik (Methodik, Gestik, Biographik, Lexik), die Präfixe inter- (interdisziplinär, Interaktion, interdependent, Interferenz, interfraktionell, interpolieren), intra- (intrakardial, intrakutan, intramuskulär) und supra- (supranational). Müller 1976: 214