Annotationsreport Turn-Taking-System

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Turn-Taking-Machinery

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FEsAnzahl annotierter FEs
ART_UND_WEISE1
FORSCHUNGSHINTERGRUND1
FUNKTION2
SPRECHERWECHSEL10
SYSTEM10
ÜBERGEORDNETE_HANDLUNG3

Dreigliedriges Kompositum mit ‚System‘ als semantischem Kopf. Sortales Nomen, hier im Sinne von System als ‚Prinzip, nach dem etwas gegliedert, geordnet wird‘. Der semantische Kopf ‚System‘ wird im übergeordneten Frame Turn-Taking-Machinery selbst als FE SYSTEM annotiert. Die ersten beiden Glieder ‚Turn-Taking‘ des Kompositums realisieren das FE SPRECHERWECHSEL.

Kurzdefinition: Das Turn-Taking-System beschreibt eine Art Ordnungsprinzip im Sprecherwechsel, das gewisse Regeln, die die Turnkonstruktion und die Rederechtverteilung betreffen, vorgibt und dessen sich die Gesprächspartner teil bewusst, teils unbewusst bedienen.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Die ‘einfachste Systematik’ in Sacks et al. (1974) sieht für ein [‘turn taking’]Sprecherwechsel [System]System zwei Komponenten vor: eine ‘turn-constructional’ Komponente, in der Redebeiträge erzeugt werden und bei der der Hörer abschätzen kann, wann ein Übergabepunkt erreicht ist, sowie eine ‘turn-allocation’ Komponente, die vorsieht, dass entweder der gegenwärtige Sprecher den nächsten Sprecher auswählt oder dass Selbstwahl erfolgt. HSK (16.2) 2001: 1104 f.
In dem [turn-taking]Sprecherwechsel [System]System [der Gespräche]Übergeordnete_Handlung ist die Menge der möglichen nächsten Sprecher maximal, während im Unterrichtsdiskurs diese Menge viel beschränkter ist: (…). Mazeland 1983: 81
Auch der gesprächsanalytische Blick auf unsere eigene Gegenwart gewinnt an Tiefenschärfe, wenn man beispielsweise weiß, welche internalisierten Regeln unseres [Turn-taking]Sprecherwechsel-[Systems]System „aufruhen“ auf einem seit Jesus Sirach oder Cicero explizit formulierten Kanon gesitteten Gesprächsverhaltens. HSK (16.2) 2001: 967
Abgesehen von den ersten Transkripten des Freiburger Korpus mit eher unintuitiven und ungenauen Angaben zur Gleichzeitigkeit von Rede werden seit der zentralen Bestimmung des [einfachsten]Art_und_Weise [turn-taking]Sprecherwechsel-[Systems]System [in der Konversation]Übergeordnete_Handlung [(Sacks/Schegloff/Jefferson 1974)]Forschungshintergrund turn-Überlappungen in allen Systemen markiert. HSK (16.2) 2001: 1048
Sie zeigen, daß „die vom [Turn-taking]Sprecherwechsel-[Systems]System vorgegebene Unterscheidung (ein Sprecher gegenüber einem oder mehreren Hörern) obsolet wird“ (Schwitalla 1993, 71). HSK (16.2) 2001: 1217
Das [turn-taking]Sprecherwechsel-[System]System, [das die grundlegende Unterscheidung garantiert, wer zu einem gegebenen Zeitpunkt den Status eines Sprechers und wer den eines Hörers hat]Funktion, liegt auf einer höheren Abstraktionsstufe als die von Haviland, Goodwin, Goffman, Levinson und anderen klassifizierten spezifischeren Beteiligungsrollen. Schwitalla 1993: 71
Zu dieser methodisch der ethnomethodologischen Konversationsanalyse verpflichteten Arbeit gibt es Gegenpositionen (vgl. Maynard 1989), die u. a. geltend machen: (1) ein [‚turn taking‘]Sprecherwechsel [System]System hängt nicht nur von lokalen Bedingungen sondern ebenfalls von globalen Bedingungen ab; (…). HSK (16.2) 2001: 1105
In den Untersuchungen von Maynard (1984) werden Regularitäten und Regeln in der folgenden Weise durch Methodenkombination miteinander verknüpft: (…) operationale Beschreibung eines [‚turn taking‘]Sprecherwechsel [Systems]System und seiner Zustände; Formulierung von an weiteren Daten zu verifizierenden Hypothesen; Beispiel: „When a speaker yields a turn, he or she is more likely to yield the turn at or near the point where he or she displays turn-yielding signals than at any other point of the talk in progress“ (ebd., 152). HSK (16.2) 2001: 1105
In dem [turn-taking]Sprecherwechsel [System]System [der Gespräche]Übergeordnete_Handlung ist die Menge der möglichen nächsten Sprecher maximal. Mazeland 1983: 81
Mit unserer Kritik des Theoriebegriffs und bestimmter Prinzipien der ethnomethodologischen Konversationsanalyse soll nicht bestritten werden, daß die Sprachwissenschaft dieser Forschungsrichtung wichtige Einsichten in bestimmte Kooperationsmechanismen der alltäglichen (d.h. sozial wirklichen) Sprache verdankt - wie z. B. das [turn-taking]Sprecherwechsel [System]System [zur Verteilung von Sprecher- und Hörerschaft]Funktion und das Reparatur-Verfahren für die Beseitigung von Störungen im Rede- und Hörprozeß alltäglicher Kommunikation. Flader & Trotha 1988: 113