Annotationsreport Konstruktionswechsel

Aus Terminologisches Grundwissen der Gesprächs- und Diskurslinguistik: eine Lehr- und Lernplattform
Wechseln zu: Navigation, Suche

Anakoluth

Farben einblenden (Benötigt aktiviertes JavaScript)

FEsAnzahl annotierter FEs
AUFTRETENSORT2
FUNKTION4
REALISIERUNGSART9
ÄUSSERUNG14

Determinativkompositum mit „-wechsel“ als semantischem Kopf. Das Kompositum besteht aus zwei deverbal ableitbaren Stämmen. Konstruktion ist ein deverbales Nomen: „Jemand konstruiert etwas“. „Wechsel“ ist ein deverbales Nomen: „Jemand/etwas wechselt bzw. wechselt etwas“. Aufgrund der Fachsprachenebene wird die wechselnde bzw. konstruierende Person (FE SPRECHER) allerdings in den Belegstellen selten realisiert. Gewechselt werden Konstruktionen von Äußerungen, weshalb das FE ÄUSSERUNG gewählt wurde.

Das FE ÄUSSERUNG ist bei dieser LE durch das Erstglied „Konstruktion-“ instanziiert.

Kurzdefinition: Mit dem Konstruktionswechsel wird ein Wechsel der Konstruktion in einer Äußerung beschrieben. Differenziert wird dabei zwischen syntaktischem Konstruktionswechsel -dabei ändert sich durch Äußerungsabbrüche und variable Weiterführung der Satzbau- und grammatischem Konstruktionswechsel, wobei sich Interpunktion und somit Sinn der Äußerung verändern. Dies kann z.B. dem Zweck der Reparatur oder Ökonomie dienen.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Zu den typischen Sprecheraktivitäten gehören auch Abbrüche und [Konstruktions-]Äusserungwechsel, [die in vielen sprachlichen Situationen einer gewissen Präzisierung und sprachlicher Ökonomie dienen können]Funktion (vgl. Schwitalla 1994: 24). Rybszleger 2009: 87
Zu den Sprecherrollen werden Denk- und Reformulierungspausen, Reformulierungsindikatoren, Tag-Questions, Gliederungssignale und Rückversicherungssignale und Abbrüche mit dem [eventuellen]Realisierungsart [Konstruktions-]Äusserungwechsel gezählt. Rybszleger 2009: 111
Es handelt sich hier um einen typisch [gesprochensprachlichen]Realisierungsart [Konstruktions-]Äusserungwechsel. Schneider 2011: 169
(…) Fast jedes Beispiel mit dativischem Anakoluth bei genitivischem Bezugswort kann auf einen [syntaktischen]Realisierungsart [Konstruktions-]Äusserungwechsel zurückgeführt werden, wie er (als >Kontamination<) bei Paul (1937; 163ff.) oder (als >Konstruktionsmischung<) bei Havers (1931; 82ff.) zur Erklärung von Unregelmäßigkeiten und Wandelerscheinungen im Sprachgebrauch angenommen wird (…). Gippert 1981: 43
Es wäre jedoch sicher unbefriedigend, alle dativischen Appositionen bei genitivischem Bezugswort einzig auf diese Kontamination zurückführen zu wollen; man sollte den [Konstruktions-]Äusserungwechsel lediglich [als eine grundsätzliche Möglichkeit]Funktion, [als ein bedingendes Element]Funktion (im Sinne von Havers, 1931; 11 ff.) ansehen, das die anakoluthe Ausdrucksweise begünstigt. Gippert 1981: 44
Abbrüche und [Konstruktions-]Äusserungwechsel [im Zeitungskorpus]Auftretensort wirken zwar sehr gesprochensprachlich, es handelt sich jedoch um gewollte Abbrüche mit illokutivem Potential, die in der geschriebenen Sprache zur Inszenierung von Spontaneität und zur Fokussierung verwendet werden. Betz 2004: 163
Bei Satz (24) handelt es sich um einen Übergangsfall zwischen Retraktion, also Autokorrektur mit Löschung des Reparaturteils, und Umstieg, also [unmarkiertem]Realisierungsart [Konstruktions-]Äusserungwechsel. Plewnia 2006: 135
Weitere Variabilitäten zeigen sich bei Kontraktionsformen, bei Konjunktionen und Subjunktionen und ihrem Einfügen oder Weglassen, bei der Wahl der Relativa, dem Tempus-, Modus- und Numerusgebrauch, bei eingefügten oder weggelassenen Satzgliedern, bei Serialisierungsregeln von verbalen und nominalen Satzgliedern einschließlich von Satzklammerbildungen bei analytischen Verbformen, bei Serialisierungsregeln von Satzgliedteilen, bei den Aufbauprinzipien nominaler Satzglieder aus Nuklei und Satelliten, bei Subjunktionswechseln, Genusunterschieden und bei [syntaktischen]Realisierungsart [Konstruktions-]Äusserungwechseln. Simmler 2012: 456
Die Variationen entstehen bei den [syntaktischen]Realisierungsart [Konstruktions-]Äusserungwechseln dadurch, dass sich Z 1589 18mal an der Vulgata orientiert. Simmler 2012: 481
Zu den [syntaktischen]Realisierungsart [Konstruktions-]Äusserungwechseln gehören auch Ergänzungen bzw. Weglassungen von Sätzen:(…). Simmler 2012: 483
Vielleicht gibt es einige wenige weitere Fälle, die so geartet sind, aber ansonsten geht mit der Präsenz oder Absenz des Kommas ein [grammatischer]Realisierungsart [Konstruktions-]Äusserungwechsel einher. Bredel u.a. 2007: 88
Hier wird nichts nachgetragen, sondern ein drohender Kongruenzfehler berichtigt, der möglicherweise durch eine Überlagerung verschieden geplanter Einheiten (eventuell über den Zeitpunkt und über die Uhrzeit) zustande gekommen ist und dann ein Indiz für einen [Konstruktions-]Äusserungwechsel [in der Planungsphase]Auftretensort wäre. Staffeldt 2015: 338
Vgl. Auer (2005b), der zeigt, dass [syntaktische]Realisierungsart [Konstruktions-]Äusserungwechsel, verzögerte Selbstreparaturen oder Konstruktionsabbrüche nicht unbedingt auf ein kognitives Problem verweisen, sondern Lösungen für bestimmte kommunikative Aufgaben darstellen können. Günther 2008: 52
Außerdem treten Satzabbrüche und [Konstruktions-]Äusserungwechsel auf (oft in Folge einer Selbstkorrektur), [die ein Licht auf den Formulierungsprozess der Rede werfen]Funktion. Wilke 2009: 244