Annotationsreport Nachbarschaftspaar

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Sequenz

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FEsAnzahl annotierter FEs
AUFTRETENSORT1
BEISPIEL2
GESPRÄCHSBEITRÄGE18
INHALT5
NÄHE2
RELATIONSTYP18
STATUS1

Der Kompositumskopf ‚-paar’ weist eine ähnliche Valenz wie ‚-sequenz’ (‚ein Paar von/aus etw.’) auf. Daher ist zu erwarten, dass diese LE die gleichen FE realisiert wie Paarsequenz und daher denselben Frame evoziert. Zudem ist hier beim Kopf des Kompositums ‚-paar’ das FE GESPRÄCHSBEITRÄGE realisiert. Das erste Glied des Kompositums ‚Nachbarschafts-‘ wird wiederum als Realisierung des FEs RELATIONSTYP betrachtet.

Kurzdefinition: Ein Nachbarschaftspaar beschreibt zwei aufeinander folgende und inhaltlich aufeinander bezogene Gesprächsbeiträge zweier Gesprächsteilnehmer. Der Begriff Nachbarschaftspaar wird synonym zum Begriff Paarsequenz verwendet.

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Die Eigenschaften von [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge werden von Schegloff/Sacks folgendermaßen beschrieben: sie bestehen aus einer Sequenz von zwei benachbarten Äußerungen, die von unterschiedlichen Sprechern geäußert werden, als erster und zweiter Teil geordnet und in dem Sinne typisiert sind, dass ein bestimmter erster Redebeitrag einen bestimmten zweiten Redebeitrag erfordert. HSK (16.2) 2001: 1229
Durch Einschubsequenzen, die sich zwischen die Eröffnung und den Abschluß von [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge schieben, [die ihrerseits bereits, als Einschubsequenzen erzeugt worden sind]Nähe kommt es so zur Herausbildung einer hierarchisch gestaffelten Ordnung von [primären]Nähe [Nachbarschafts]Relationstyp[paar]Gesprächsbeiträge, Einschubsequenz zweiter Ordnung etc. Schneider 2009: 58
[Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge reflektieren eine strukturelle Organisation der Interaktion, die die Erwartungshaltung, das Verstehen und die Folgehandlungen der Interaktanten beeinflußt, denn die Produktion des ersten Teils eines [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge zeigt an, daß der Adressat den relevanten zweiten Teil produzieren sollte (Heritage 1984a, 243 ff). HSK (16.2) 2001: 1229
Sie stellen einen normativen Rahmen für die Handlungen her, man spricht von der konditionalen Relevanz (Schegloff 1972a, 363ff), die die Produktion des ersten Teils eines [Nachbarschafts]Relationstyp[paares]Gesprächsbeiträge für die Produktion eines zweiten Teils herstellt. HSK (16.2) 2001: 1229
Denn erst durch seine Reaktion gibt der zweite Sprecher zu erkennen, wie er den vorhergehenden Redebeitrag verstanden hat, und bietet damit auch die Möglichkeit für etwaige Korrekturen (eine wichtige Rolle bei der Interpretation von ersten und zweiten Teilen in [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge spielen Kontextualisierungssignale (Gumperz 1982, 131 ff) (…). HSK (16.2) 2001: 1229
Wie an den letzten Beispielen zu sehen ist, gibt es eine Reihe von [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge, [in denen es an der zweiten Sequenzposition alternative Reaktionsmöglichkeiten gibt]Inhalt. HSK (16.2) 2001: 1229 Transparentes Nomen
[Die wichtigsten a-priori Sequenzen]Beispiel sind [Nachbarschafts]Relationstyp[paare]Gesprächsbeiträge („adjacency pairs"), [da sie (im Gegensatz zu allen Möglichkeiten der Sequenzexpansion) frei im Gespräch auftreten können]Auftretensort. HSK (16.2) 2001: 1229 Kopula-Verb
Damit bietet die Struktur des zweiten Teils in einem [Nachbarschafts]Relationstyp[paar]Gesprächsbeiträge einen Hinweis darauf, in welcher Relation (präferiert oder nichtpräferiert) er zum ersten Teil steht, und stellt damit auch ein wichtiges analytisches Kriterium bei der Untersuchung der Struktur [neuer]Status [Nachbarschafts]Relationstyp[paare]Gesprächsbeiträge dar. HSK (16.2) 2001: 1230
Allerdings gibt es bei allen [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge (auch bei jenen, [die nur eine (verbalisierte) Handlungsalternative an der zweiten Position anbieten)]Inhalt eine zweite Möglichkeit einer nichtpräferierten Reaktion - nämlich Schweigen. HSK (16.2) 2001: 1230
Die relevante Abwesenheit einer Reaktion in [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge [mit nur einer Reaktionsmöglichkeit]Inhalt zeigt an, daß die (präferierte) Reaktion nicht verfügbar ist; (…). HSK (16.2) 2001: 1230
(…) in [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge [mit zwei Handlungsalternativen]Inhalt ist Schweigen ein Hinweis darauf, daß die präferierte (unmarkierte) Handlungsalternative nicht verfügbar ist, die markierte aber aus verschiedenen Gründen nicht verbalisiert werden kann (Bilmes 1988, 175). HSK (16.2) 2001: 1230
Bei den in diesem Zusammenhang vielfach untersuchten Telefongesprächen bestehen die Eröffnungen häufig aus [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge, [in denen es um die wechselseitige Identifizierung und Begrüßung der GesprächsteilnehmerInnen geht]Inhalt – die bei Vertrautheit der Stimmen auch zusammenfallen kann – sowie um die Anrufsbegründung, die gleichzeitig die Überleitung zur thematischen Organisation des Gesprächs darstellt. HSK (16.2) 2001: 1247
Die Funktion von ARG ist es danach, bei Verstößen gegen die strukturelle Präferenz innerhalb von [Nachbarschafts]Relationstyp[paaren]Gesprächsbeiträge, [z. B. FRAGE-ANTWORT]Beispiel, als Reparaturmechanismus zur Herstellung konversationeller Einigkeit zu fungieren. HSK (16.2) 2001: 1310
Denn - so die problematische Prämisse von Jackson/Jacobs - [Nachbarschafts]Relationstyp[paare]Gesprächsbeiträge hätten eine „structural preference for agreement“ (1980, 251 f). D. h. wenn beispielsweise auf eine BITTE nicht mit der strukturell präferierten GEWÄHRUNG reagiert wird, sondern mit dem zwar konditional relevanten, aber nichtpräferenten Zug WEIGERUNG, erfüllt ARG die Funktion, sich darüber zu „verständigen, warum die interaktive Ausführung eines [Nachbarschafts]Relationstyp[paares]Gesprächsbeiträge Probleme aufgeworfen hat oder wohl aufgeworfen hätte“ (Rühl 1999, 10). HSK (16.2) 2001: 1310