Annotationsreport TCU

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TCU

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FEsAnzahl annotierter FEs
ANZAHL2
ART_UND_WEISE1
AUSMASS1
EIGENSCHAFT4
INHALT3
SEQUENZIELLE_ABFOLGE4
SPRECHER6
ZEITPUNKT4
ÜBERGEORDNETE_ÄUSSERUNG20

Abkürzung von engl. Turn Constructional Unit (= Turnkonstruktionseinheit). Dreigliedriges Kompositum mit engl. ‚Unit‘ (= Einheit), als semantischem Kopf. Relationales Nomen: ‚Einheit aus/von etw.‘. Die Leerstelle ‚etw.‘ entspricht dem FE ÜBERGEORDNETE_ÄUSSERUNG, welches im Erstglied ‚Turn‘ des Kompositums realisiert wird.

Obwohl die LE keinen deverbalen Ursprung hat, werden in den Belegstellen Support-Verb-Konstruktionen annotiert, die im fachsprachlichen Kontext als relativ feste Nomen-Verb-Verbindungen der LE mit Verben wie ‚produzieren‘, ‚hervorbringen‘, ‚beginnen‘ oder ‚beenden‘ betrachtet werden können.

Kurzdefinition: Eine TCU, kurz für Turn Constructional Unit, ist eine im Vergleich zum Turn kleinere Äußerungseinheit eines Sprechers, die er im Zuge der Produktion seines Turns hervorbringt. Mehrere TCUs bilden einen Turn (s. Turn-Frame). Am Ende einer jeden TCU befindet sich eine übergaberelevante Stelle (s. TRP-Frame).

Belegstellen & Annotationen Quellen Auffälligkeiten
Aufgrund ihrer projektiven Kraft haben Pseudocleft-Konstruktionen darüber hinaus wichtige sequentielle Funktionen: Sie erlauben [den Sprecherinnen]Sprecher nach dem W-Teilsatz das Rederecht zu behalten und (mindestens) eine [weitere]Sequenzielle_Abfolge [T]Übergeordnete_ÄußerungCU („turn construction unit") [mit der noch ausstehenden Konstituente]Inhalt [anzuhängen]Support. Günthner 2006: 68 Support-Verb
Damit verteilt sich die Liste auch auf [drei]Anzahl [aufeinanderfolgende]Sequenzielle_Abfolge [T]Übergeordnete_ÄußerungCUs (turn construction units), von denen jede ein Listenelement bildet. Pekarek et al. 2006: 254
Nach einer kurzen Unterhaltung mit einem Interaktionspartner wendet sich der Moderator einem anderen Gast mit einer Frage zu, die in der überwiegenden Mehrheit der Fälle zugleich einer [turn-final]Zeitpunkt [T]Übergeordnete_ÄußerungCU im Sinne von Selting (2000) entspricht, wobei der Befragte nach dem syntaktischen Grenzsignal, also im Nachfeld, ausdrücklich angesprochen wird. Vinckel 2006: 312
Eine [angefangene]Support [T]Übergeordnete_ÄußerungCU wird abgebrochen, um eine [weitere]Sequenzielle_Abfolge [T]Übergeordnete_ÄußerungCU [zu produzieren]Support, wonach die [ursprüngliche]Sequenzielle_Abfolge [T]Übergeordnete_ÄußerungCU wieder [aufgenommen wird]Support, [z. B. „He- we saw ’im coming out of Lo:st Horizon: ’n he wz with…“]Inhalt. Papantoniou 2012: 42 Support-Verb
Eine syntaktische Struktur wird abgebrochen und es [wird]Support eine [neue]Eigenschaft [T]Übergeordnete_ÄußerungCU [produziert]Support. Papantoniou 2012: 50 Support-Verb
So projiziert die ausschließlich zu Reparaturzwecken verwendete Negationspartikel „eiku“ eine Ersetzung der Problemquelle oder einen Abbruch der [gesamten]Ausmaß [T]Übergeordnete_ÄußerungCU. Papantoniou 2012: 60
Wenn Sprecher dieser südpazifischen Sprache kurz vor dem projizierten Ende einer [T]Übergeordnete_ÄußerungCU eine Pause machen, reagieren die Gesprächspartner mit

folgendem Format: (…).

Papantoniou 2012: 66
Eine prospektive Signalisierung eines Problems des Sprechens liegt dann vor, wenn die Sprecher der Problemquelle die Progressivität innerhalb eines Turns bzw. einer [T]Übergeordnete_ÄußerungCU anhalten und zeigen, dass sie nach einem Element (z. B. nach einer sprachlichen Form oder nach einem kognitiven Inhalt) suchen, welches sie für die Fortsetzung bzw. für die Vervollständigung des begonnenen Turns oder der [begonnenen]Support [T]Übergeordnete_ÄußerungCU benötigen. Papantoniou 2012: 80 Support-Verb
Dabei handelt es sich um die syntaktische Vervollständigung einer [begonnenen]Support [T]Übergeordnete_ÄußerungCU durch die Rezipienten, die jedoch von der projizierten Botschaft semantisch abweicht. Papantoniou 2012: 97 Support-Verb
Ein Formulierungsproblem wird dann prospektiv signalisiert, wenn die Sprecher der Problemquelle mithilfe von metakommunikativen Äußerungen wie beispielsweise „wie soll ich mich AUSdrücken;“, „wie kAnn ich_s beSCHREIben;“, „wIe soll ick det erKLÄren;“ oder „(…)nEnnen wir_s mal:“ deutlich machen, dass sie nach einer passenden, längeren Formulierung oder auch nach einem kontextangemessenen Lexem suchen, um ihre sich schrittweise entfaltenden Gedanken zu versprachlichen und so ihren begonnenen Turn bzw. [ihre]Sprecher [begonnene]Support [T]Übergeordnete_ÄußerungCU zu Ende zu führen. Papantoniou 2012: 114 Support-Verb
[In Z. 13]Zeitpunkt [fängt]Support [sie]Sprecher eine [neue]Eigenschaft T]Übergeordnete_ÄußerungCU [an]Support, [die mit weiteren Disfluenzmarkern übersät ist (Wiederholung von „ich“, Mikropausen, Creak)]Inhalt, [bevor sie durch die schnell gesprochene metakommunikative Problemsignalisierung „mir fehlen die WORte grade;“ ihr Problem des Sprechens explizit als Formulierungsproblem kategorisiert]Zeitpunkt. Papantoniou 2012: 125 Support-Verb
In Z. 32 fährt er dann fort, wobei er seine Äußerungseinheit erneut mit „und äh“ beginnt und diese dadurch als Wiederaufnahme der [abgebrochenen]Support [T]Übergeordnete_ÄußerungCU aus Z. 22 kontextualisiert. Papantoniou 2012: 134 Support-Verb
Mithilfe solcher Problemsignalisierungen könnten also die Sprecher der Problemquelle von ihren Gesprächspartnern eine Information (z. B. eine Orts- oder Zeitangabe) erfragen, die sie dann in ihren angefangenen Turn bzw. in [ihre]Sprecher [angefangene]Support [T]Übergeordnete_ÄußerungCU einflechten, um diese fortzusetzen. Papantoniou 2012: 139 Support-Verb
Mithilfe der prosodisch so kontextualisierten, metakommunikativen Problemsignalisierung „was SAGT man jetzt;“ signalisiert also der Moderator bis zu diesem Zeitpunkt (also bis zum Ende von Z. 11), dass er nach einem passenden, kontextangemessenen Lexem sucht, um [seine]Sprecher [begonnene]Support [T]Übergeordnete_ÄußerungCU zu vervollständigen. Papantoniou 2012: 200 Support-Verb
Wenngleich zögerlich, nämlich erst nach dem Verstreichen einer längeren Pause (Z. 18), liefert [der Anrufer]Sprecher in Z. 19 das Aufnahmesignal „ja gut oKEE;“ und [setzt]Support [dann]Zeitpunkt [mit den Verzögerungssignalen „JA:=äh“]Art_und_Weise zu einer [neuen]Eigenschaft [T]Übergeordnete_ÄußerungCU [an]Support. Papantoniou 2012: 207 Support-Verb
Selting (1995) führt z.B. an, dass Sätze, die durch Pausen unterbrochen werden, trotzdem eine [zusammenhängende]Eigenschaft [T]Übergeordnete_ÄußerungCU bilden. Peter 2006: 152
Der Idiomatizitätsgrad hingegen kann relativ gering sein (vgl. auch AUER 2005: 16), gerade bei solch relativ umfangreichen Konstruktionen wie der hier beschriebenen parallel-opposition-Konstruktion mit normalerweise [zwei]Anzahl [T]Übergeordnete_ÄußerungCUs. Barth-Weingarten 2006: 175