Beobachterparadoxon

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Definition

Der Begriff Beobachterparadoxon (lat. paradoxon, ‚neben‘, ‚außer‘, ‚daran vorbei‘) beschreibt die Problematik der ethnomethodologischen Forschung bzw. der teilnehmenden Beobachtung. Wenn durch die Anwesenheit eines Beobachters in der zu untersuchenden Situation die Forschungsergebnisse beeinflusst werden, obwohl die Beobachtungen authentische und allgemeingültige Ergebnisse liefern sollen, spricht man vom Beobachterparadoxon.

Grundlegende Annahme des Beobachterparadoxons ist, dass der Versuch, einen neutralen Beobachter in eine natürliche Gesprächssituation zu integrieren, um herauszufinden, wie Menschen sprechen oder sich verhalten, wenn sie nicht beobachtet werden, die Forschungsergebnisse verzerrt. Es entsteht ein Widerspruch zwischen dem Forschungsziel, authentische Daten zu gewinnen und der Tatsache, dass genau dies durch die Forschungsmethode der teilnehmenden Beobachtung verhindert wird, da es kaum möglich ist, den Forscher so weit in die untersuchte Gruppe zu integrieren, dass sich die untersuchten Personen seiner Anwesenheit überhaupt nicht mehr bewusst sind. In Anwesenheit eines Beobachters versuchen die Gruppenmitglieder, ihr Verhalten zu kontrollieren. Dieses veränderte Verhalten führt dazu, dass die Beobachtungsergebnisse verfälscht werden.

Die Theorie des Beobachterparadoxons geht auf den US-amerikanischen Linguisten William Labov zurück und wird daher auch das Labovsche Beobachterparadoxon genannt.

Verwandte Begriffe

Relevanter Wissensrahmen (Frame)

Beobachterparadoxon evoziert den Ethnomethodologisches_Forschen-Frame.

In der Definition wurden die folgenden Frame-Elemente verwendet:

FORSCHER

FORSCHUNGSGEGENSTAND (verwendet als „natürliche Gesprächssituation“)

FORSCHUNGSZIEL

FORSCHUNGSHINTERGRUND (verwendet als „William Labov“ , „Labovsches Beobachterparadoxon“)

FORSCHUNGSERGEBNIS